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NIGHTWISH: Momentaufnahme Seit der Veröffentlichung von ‘Dark Passion Play’ im September 2007 waren NIGHTWISH rund um den Globus schwer aktiv, und auch wenn die Tour zum Album noch längst nicht beendet ist, hauen die Finnen samt schwedischer Stimme Anfang März ein Live-Package auf den Markt, das den Fans einen Rückblick auf die letzten Monate bieten soll... Dummerweise lag uns ‘Made In Hong Kong (And In Various Other Places)’ zum Redaktionsschluß noch nicht vor, doch selbst das Fehlen einer Tracklist hielt uns nicht davon ab, Bassist Marco Hietala bei den Proben zur TAROT-Tour zu stören und ihn eben selbst erklären zu lassen, worum es bei dieser Veröffentlichung geht... “Ich versuche, mal etwas Licht ins Dunkel zu bringen”, lacht der Mann mit dem charakteristischen Bart los. “Wir haben keine komplette Show verwendet, weshalb ich die Scheibe nicht als vollwertiges Livealbum ansehen würde. Wir dachten eben, daß sich die Fans über ein paar Appetithäppchen der neuen Besetzung freuen würden, und da wir sowieso fast alle Konzerte mitschneiden, haben wir einfach ein paar Stücke ausgewählt. Es werden wohl acht oder neun Livesongs plus Bonustrack, wodurch wir auf eine Spielzeit von über einer Stunde kommen. Außerdem haben wir einiges an Videomaterial angesammelt, das zum Teil aus unseren eigenen Kameras stammt, zum Teil aber auch von befreundeten Journalisten zur Verfügung gestellt wurde. Das ergibt eine nette kleine Dokumentation über das letzte Jahr und sorgt für ein ordentliches Package.” Früher mußte für einen guten Konzertmitschnitt ja jede Menge Equipment angemietet werden, doch dank der heutigen Technik scheint das ja alles kein großer Act mehr zu sein... “Stimmt. Unsere Jungs vom Ton haben immer ihre Laptops dabei. Wenn man die Dinger mit einer guten Soundkarte ausstattet und Pro Tools installiert hat, kann man so ziemlich alles aufnehmen. Und aus all dem Material haben wir ‘Made In Hong Kong (And In Various Other Places)’ zusammengebaut, denn bei einigen Stücken haben wir Spuren von verschiedenen Konzerten verwendet. Das ist technisch kein Problem, und statt nachträglich Fehler zu überspielen, haben wir eben die Gitarrenspur vom einen Gig und den Gesang von einer anderen Show genommen. Die Scheibe soll schließlich die besten Performances der Band zu Gehör bringen.” Auch wenn diese Methode mehr Bühnencharakter rüberbringen dürfte als nachträgliche Overdubs im Studio, ist eure Herangehensweise doch eher ungewöhnlich... “Ich war ehrlich gesagt nur einen einzigen Tag beim Mix anwesend, als wir meine Vocals geschnitten haben. Ich kann dir also keine Details nennen. Genaugenommen weiß nur unser Soundengineer Kimmo Ahola, welche Files er ins Studio geschickt hat, und nur Tero Kinnunen dürfte eine Ahnung davon haben, was von welcher Show verwendet wurde. Es kann also gut sein, daß einige Tracks komplett von einem Gig sind. Weißt du, jeder von uns Musikern hat gerade andere Dinge im Kopf. Emppu geht bald mit BROTHER FIRETRIBE auf Europatournee, ich probe gerade hier in Kuopio mit meinen TAROT-Jungs, und wer weiß, was der Rest gerade so treibt. Wir haben uns ein paar Wochen Pause von NIGHTWISH genehmigt und lassen andere die Fäden ziehen.” Hast du dir dann überhaupt die Dokumentation angesehen? “Klar, das ist etwas, das man checken muß, sonst landet wieder peinliches Material darauf, haha! Ich bin mir allerdings sicher, daß trotzdem noch etwas zu sehen sein wird, das mich zum Gespött der Leute macht. Das macht mir aber nichts aus, ich bin alt genug, um das zu verkraften. Ansonsten kann man uns durch das ganze letzte Jahr begleiten, von der ersten Show in Israel bis zu den letzten Konzerten in Südamerika. Außerdem sind alle drei Videoclips am Start, die wir für ‘Dark Passion Play’ gedreht haben.” Wie bewertest du denn im Rückblick die letzten eineinhalb Jahre? “Nun, wir haben zwar immer großes Vertrauen in die Songs auf ‘Dark Passion Play’ gehabt, wußten aber auch, daß wir mit einer neuen Sängerin die Leute erst wieder für NIGHTWISH gewinnen mußten. Jeder von uns hat in dieser Situation sicher auch ein wenig Schiß gehabt. Aber als dann die Verkäufe sehr gut anliefen, die Tickets für unsere Konzerte reißenden Absatz fanden und die Fans uns sehr gut aufgenommen haben, war das ein sehr gutes Gefühl.” Bei der Auswahl eurer neuen Sängerin und den Aufnahmen zum Album hattet ihr alles unter Kontrolle - doch niemand konnte genau vorhersagen, ob ihr eure Fans überzeugen würdet. “Das ist wahr. Es war aber ein kalkuliertes Risiko, schließlich war uns klar, daß es für uns viel einfacher wäre, wenn wir uns einen Tarja-Klon angeln würden. Aber wir haben uns bewußt für Anette entschieden, weil wir davon überzeugt waren, die Band mit einer ganz anderen Stimme in eine neue Richtung steuern zu können. Und bis jetzt scheint die Rechnung aufgegangen zu sein.” Gerade bei den ersten Shows, die ihr noch als angebliche NIGHTWISH-Coverband absolviert habt, dürfte die Nervosität größer gewesen sein, als es nach außen den Anschein hatte. “Ein bißchen, ja. Ich bin keiner, der sich gleich in die Hosen macht, aber die Stimmung hat sogar auf mich abgefärbt. Vor allem Anette war vor dem ersten Auftritt sehr nervös, aber sie hat die Feuertaufe mit Bravour gemeistert. Ich selbst mußte vor allem mit meinem Helfersyndrom zurechtkommen und mir immer wieder klarmachen, daß ich nicht zu sehr auf Anette achten durfte. Es war gar nicht so easy, einfach nur mein Ding durchzuziehen und darauf zu vertrauen, daß das Mädchen seine Sache schon richtig machen würde. Mit Anette herrscht auf der Bühne eine ganz andere Stimmung, sie bleibt am Boden und redet viel mit dem Publikum. Tarja hatte ja eher diese distanzierte Aura, die bei ihr sehr gut gewirkt hat. Keine Beschwerden in diese Richtung, aber es ist gut, daß die beiden Damen unterschiedliche Persönlichkeiten haben und die Sache für uns deshalb noch frischer und aufregender ist.
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