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STATUS QUO: Unklares Jubiläum Francis Rossi und Rick Parfitt kennt man als die Köpfe der Band mit angeblich nur drei Akkorden. Aber auch, wenn sie selbstironisch ihre letzte reguläre Scheibe ‘In Search For The 4th Chord’ genannt haben, wissen sie, daß einige Akkorde mehr in ihrer Musik zu finden sind. Andererseits wird Eingängigkeit nicht unbedingt durch komplizierte Songstrukturen erreicht. Gerade aber Eingängigkeit lieben die Fans an STATUS QUO, wie auch Bandgründer Francis Rossi zu berichten weiß. Francis, du scheinst stets die Ruhe selbst zu sein, ob es sich nun um ein Interview oder einen Auftritt handelt, und dennoch stets unglaublichen Spaß zu haben - auch und vor allem auf der Bühne. “Ganz so ist es nicht. Es kommen durchaus Augenblicke, in denen ich mich nicht wohl fühle oder sogar die Ruhe verliere. Aber es gibt zwei Orte, an denen ich immer Spaß habe: zu Hause und auf der Bühne. Daher kann ich mich sehr glücklich schätzen, weil der Wohlfühleffekt in meinem Leben auf diese Weise nur optimal genannt werden kann.” Ende des vergangenen Jahres erschien ein sogenanntes ‘Earbook’ mit vier CDs, auf denen all eure britischen Singles vereint sind. Allein die CDs bereiten Freude. Aber auch das Hochglanzbuch ist aufschlußreich - weniger aufgrund der gebotenen Informationen als wegen eurer Stellung in der Szene, die sich in einigen Kommentaren und vor allem den Zeichnungen vieler - teils berühmter - Kollegen, wie beispielsweise Alice Cooper, widerspiegelt. “Ach ja, Alice - ich habe ihn erst kürzlich in der Nähe meines Wohnortes erlebt. Er spielte genau einen Tag vor STATUS QUO. Die Idee, nicht einfach nur eine 4-CD-Box herauszubringen, sondern dieser Veröffentlichung mit der Gestaltung als Earbook einen komplett anderen Charakter zu geben, gefiel uns ausgezeichnet. Wir waren überrascht, wie qualifiziert sich viele Kollegen über STATUS QUO geäußert haben und was für witzige Zeichnungen teilweise entstanden sind. Es ging ja darum, Cover von STATUS QUO-Scheiben neu zu interpretieren. Ich finde das sehr rührend, denn alle haben sich offenkundig wirklich Mühe gegeben. Am witzigsten ist wohl Roger Glovers Neufassung von ‘Don’t Stop’ aus dem Jahr 1996. Er verlegte es in das imaginäre 60. Jahr unseres Bestehens und nannte es ‘Please Stop!’, also: Hört endlich auf! Das könnten wir alte Hasen uns ja alle gegenseitig zurufen. Und es zeugt davon, wie positiv wir in der Szene wahrgenommen werden. Das war mir nicht wirklich neu, denn es gibt am Rande der Shows jede Menge angenehmer Gespräche - und auf Festivals noch viel mehr. Aber alles in einem solchen Buch gebündelt zu sehen, freut uns schon sehr. Daß wir in einer weltweiten Musikergemeinschaft als gleichberechtigt betrachtet werden, ist dabei entscheidend - nicht, daß es sich um eine Gemeinschaft von Rockstars handelt. Aber wenn jene, die alle kaum an Unterbeschäftigung leiden, sich die Zeit nehmen, uns einige Zeilen oder eine Zeichnung zu widmen, empfinden wir das als Anerkennung unserer Anstrengungen in mehr als vier Jahrzehnten.” Dieses Buch ist anläßlich des 40-jährigen Bestehens von STATUS QUO erschienen, nur leider stimmt einiges hinten und vorn nicht: Euer erster Über-Hit ‘Pictures Of Matchstick Men’ war bereits im November 1967 veröffentlicht worden, also beileibe nicht erst 1968. Hinzu kommt, daß dieses Buch ja erst Ende 2008 veröffentlicht wurde, also in jedem Fall der Stichtag fast verpaßt wurde. Außerdem stellt sich die Frage, in wieweit die Entwicklung als THE SPECTRES eine Rolle spielte. Denn so gesehen könntet ihr ja bald 50 Jahre Bandjubiläum feiern. Von der Urbesetzung bist schließlich sowieso nur du übrig. “Das ist ja gleich eine Vielzahl von Fragen. Beginnen wir also mit ‘Pictures Of Matchstick Men’. Zwar stimmt es, daß der Song schon 1967 veröffentlicht wurde, doch den großen Erfolg gab es Anfang 1968. Und für Jubelfeiern aller Art sucht man sich gern den echten Jubel-Anlaß. Womit wir gleich beim nächsten Thema wären: Ich bin gar nicht der Jubiläums-Hai. Das ist doch alles vollkommen gleichgültig. Wir freuen uns ungeheuer, daß wir es geschafft haben und die Leute unsere Musik hören wollen. Es ist auch sehr schön, wenn so etwas ein Leben lang anhält. Aber wir haben mehr Freude daran, wirklich etwas zu tun - ob es nun das Schreiben neuer Stücke ist, die Arbeit im Studio oder auf der Bühne zu stehen - als permanent irgendetwas zu feiern, das hält einen nämlich vom Wesentlichen ab. Wir wären nie soweit gekommen, wenn wir immer nur gefeiert hätten. Denn Anlässe gibt es doch immer - zum ersten Mal in den Top Ten, zum ersten Mal in den Top 3, die erste ausverkaufte Halle über 1.000, 3.000 oder 10.000 Leute, die erste Goldene oder Platin-Scheibe, drei oder fünf oder zehn Jahre im gleichen Line-up, meinetwegen auch, daß die Erde rund ist und man trotzdem nicht herunterfällt. Das ist doch alles ziemlicher Quatsch. Ich denke, es sind Ausreden derjenigen, die eben lieber mit anderen Leuten herumlungern, anstatt wirklich etwas zu tun. Sollen sie, wir sind jedenfalls anders. Falls jemand in zwei Jahren auf die Idee käme, ein halbes Jahrhundert STATUS QUO für das Folgejahr 2012 inszenieren zu wollen, werden wir sehen, wie wir als Band dann reagieren. Aber unter diesem Bandnamen agierten wir erst, als Rick Parfitt zu uns stieß, und das war 1967. Andererseits hatten wir als kleinen Gag schon 1982 mit unserem Album ‘1+9+8+2’ auf die Bandgründung im Jahr 1962 angespielt.”
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