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Und so war's 2002...
BYH-SAMSTAG, 29. Juni 2002
 




SLAYER
HALFORD
DORO
NEVERMORE
RAWHEAD REXX
IRON SAVIOR
CANDLEMASS
SHAKRA
VANDEN PLAS
TANKARD
MÄGO DE OZ
S.A. ADAMS

 






Die doch etwas kurzfristigen Verschiebungen und Änderungen im Billing hatten zur Folge, daß S.A. ADAMS etwas von ihrer Spielzeit wegkürzen und noch vor dem seit Jahren üblichen Beginn um 10.00 Uhr auf die Bühnenbretter mußten. Doch die Band zeigte sich mehr als kooperativ, wurde doch für Bang Your Head!!!-Dauergast und brother in filth S.A. Adams mit diesem Auftritt ein lange gehegter Traum wahr. Als das New Yorker Trio dann um kurz nach halb neun am Morgen ihren räudigen Sound durch die PA blies, waren zur allgemeinen Überraschung schon an die tausend Banger anwesend, um den Mannen zu huldigen. Diese ließen sich dann auch nicht lange bitten und zogen ohne Rücksicht auf Verluste alle Register, was die anwesende Meute dankend annahm. Vom Krach der Rock 'n' Roller aus dem Koma erweckt, trafen immer mehr Kopfschüttler vor der Bühne ein, um sich das lustige Treiben einzuverleiben. Als Herr Adams zum Abschluß seines Sets noch die Bühnenbretter küßte, war klar, daß die als Bezahlung geforderten drei Weizenbiere die ihnen Horst noch an Ort und Stelle vorbeibrachte, nur noch das Sahnehäubchen für die Combo war. Hat Spaß gemacht!
Jagger



Nachdem die Spanier MÄGO DE OZ am Donnerstag noch einen Headliner-Auftritt auf einem großen Open Air in ihrem Heimatland absolvierten, wurde ihr für den Freitag angekündigter Gig auf den Samstag verschoben. Wie sich herausstellte, entpuppte sich dies als ein gelungener Schachzug, denn mit ihrer herzerfrischenden Mischung aus Folk und Metal konnten die Jungs von der iberischen Halbinsel schon zu früher Stunde die Massen mobilisieren. Ich habe bis jetzt auf noch keinem Bang Your Head!!! eine solch große Anzahl an Leuten um diese Uhrzeit vor der Bühne stehen und mitmoshen gesehen. MÄGO DE OZ verbreiteten eine so positive Atmosphäre, daß selbst die letzte Alkoholleiche wieder zum Leben erweckt wurde. Das lag aber auch am exzellenten Stageacting des Sechsers. Vor allem Sänger Jose El Rey merkt man seine jahrelange Bühnenerfahrung an. Besonderes Schmankerl war eine Aktion, bei der er das komplette Publikum aufforderte, sich hinzusetzen. Fast alle machten diesen Spaß auch mit und die Stimmung war danach am Kochen. So etwas habe ich in meiner langen Geschichte an Konzertgängen noch nie erlebt. Auch die instrumentale Vielfalt mit Geige und Ziehharmonika (!!!) tat ihr Übriges. Die Spanier waren zusammen mit CANDLEMASS, SLAYER und den Conklin-Festspielen die Gewinner des Festivals. MÄGO DE OZ haben mit diesem Auftritt mit Sicherheit sehr viele neue Fans dazugewonnen. Fantastisch!
Oliver Weinsheimer



Der Morning After hat ein Gesicht! Massenhaft verquollene Gestalten hasten mit pelziger Zunge Richtung Bühne. Und das frühmorgens! Da kann es nur einen gewichtigen Grund geben: TANKARD. Die Band stürmte auf die Bühne und es traf den mit normalen Geschmacksnerven bestückten Mitteleuropäer fast der Schlag: Gerre im offenen (!) Schlafanzug. Und der Pieselschlitz saß auch noch hinten... In diesem Moment flatterte ein Schmetterling (für die zoologisch interessierten Metaller: Gattung "kleiner Fuchs") an mir vorbei, blickte kurz in Richtung Bühne, setzte sich auf ein Absperrgitter und starb. Kein Witz, der possierliche Flattermann hauchte augenscheinlich wegen Gerres schauerlichem Anblick sein junges, nektarzutzelndes Leben aus. DAS ist Metal! (Und wenn Ihr schön brav seid, liebe Kinder, kommt Märchentante Arno morgen auch zu Euch und erzählt Euch die Geschichte vom sterbenden Schwan im Angesicht von Kerry Kings Igelarmband... - Stefan) Gerre sieht gleichzeitig scheiße aus, tobt wie ein Maniac über die Bühne, scherzt mit dem Publikum, "singt" nebenbei ein bißchen und hält zu allem Überfluß auch noch die Balinger Fauna in Schach. Kann man denn mehr verlangen? Für Unterhaltung war jedenfalls gesorgt. Auch wenn die Truppe für viele Fans zu früh im Billing plaziert wurde, ließen sich die Hessebube den frühen Spaß nicht verderben und steckten mit ihrer Mischung aus alten Klassikern und neuen Hits von ihrer sehr starken 'B-Day'-Scheibe viele der grinsenden Zuschauer an. Egal, ob ein Uralt-Gassenhauer wie 'Mercenary', 'Empty Tankard', oder ein neues Stück à la 'Rectifier', alles klang wie aus einem Guß und machte ganz einfach Laune. TANKARD bewiesen überdeutlich, daß auch nach unglaublichen 20 Jahren Exzeß und Ebbelwoi die Luft noch lange nicht raus ist. The Bembel has landed!
Arno Hofmann



Nachdem die Prog-Abteilung des diesjährigen Bang Your Head!!! durch die Absage von SYMPHONY X stark dezimiert worden war, mußten VANDEN PLAS die Fahne des Prog hochhalten. Und die Jungs lösten diese Aufgabe mit Bravour, obgleich ihr komplexes Material sicherlich nicht hundertprozentig festivalkompatibel ist. Zudem sah man sich nach dem feurigen Tänzchen von MÄGO DE OZ und der Pyjamaparty von TANKARD einem ausgelaugten Publikum gegenüber. Doch ein Andy Kuntz, der ohne Zweifel zu den besten Frontmännern der gesamten Szene zählt, versteht es, auch aus dieser Situation das Optimum herauszuholen und das Publikum zu fesseln. Außerdem hatten VANDEN PLAS in Anbetracht dieser Festivalsituation einige ihrer härteren Nummern ausgewählt, denen man in Form der grandiosen Ballade 'The Healing Tree' den ruhenden Pol in der Showmitte verlieh. Die Band war auf jeden Fall ein Gewinn für das Bang Your Head!!! und setzte in 'Rainmaker' einen furiosen Schlußpunkt unter ihr Set, der glücklicherweise vom Wettergott nicht erhört wurde. Mit diesem Auftritt sollten VANDEN PLAS sich eine Reihe neuer Fans erspielt haben!
Andreas Thul & Stefan Glas



Gespannt konnte man sein, wie sich SHAKRA mit ihrem neuen Sänger Mark Fox präsentieren würden - und um es gleich vorweg zu nehmen, der Jungspund hat seine Aufgabe absolut zufriedenstellend gelöst, auch wenn ihm vor allem in Sachen Kommunikation die nötige Routine noch zu fehlen scheint. Aber wenn man seine Feuertaufe auch gleich beim Bang Your Head!!! zu bestehen hat, ist das auch kein Wunder. Sangestechnisch gab's an dem Burschen jedenfalls nix auszusetzen, denn auch mit ihm gingen Songs wie 'Hands On The Trigger', 'Nothing To Lose' oder 'Why Don't You Call Me' mächtig nach vorne los. Trotz der vorgezogenen Auftrittszeit kamen die Eidgenossen mit ihrer lockeren Art gut an und sorgten für richtig gute Laune unter den Leuten, die nicht unbedingt wegen SLAYER aufs Gelände gekommen waren - und daß SHAKRA inzwischen die besseren GOTTHARD sind, wissen nun auch alle, die sich mit ihren Platten bislang noch nicht auseinandergesetzt haben...
Martin Römpp



"Sunrise I greet you, the beauty of your light, so warm and tender was never the night"... Nicht nur das Balinger Publikum stellte sich bei der schwedischen Doom-Legende als erstaunlich textsicher heraus und sang Stücke wie 'At The Gallows End', 'Samarithan' oder den Mega-Klassiker 'Solitude' vollständig (!) mit, sondern auch das gelbe Rund am Himmel schien sich an der oben zitierten Passage ein Beispiel nehmen zu wollen und brannte während des Gigs von Messiah & Co. unerbittlich hernieder. Eigentlich wäre diese himmlische Unterstützung gar nicht nötig gewesen, denn Leif Edling und seine wiedervereinigte Truppe hatten keinerlei Mühe, das begeisterte Publikum ins Schwitzen zu bringen. Wie schon bei JAG PANZER, SAXON und TITAN FORCE am Tag zuvor, hatten auch CANDLEMASS einfach zu viele hervorragende Songs für ihre Spielzeit. 'Mirror, Mirror', 'Crystal Ball' oder 'Under The Oak' gehörten neben den bereits genannten zum Repertoire der Schweden. Und trotz der völlig Doom-untypischen Helligkeit am frühen Vormittag schonte sich der mönchskuttenbewandete Frontklotz Messiah Marcolin nicht eine Sekunde, neben der tadellosen Gesangsleistung wußte er mit absoluter Fannähe (was wir von einem anderen Herren an diesem Tag leider noch ganz anders erfahren durften) und Enthusiasmus zu überzeugen. Seiner in nicht ganz fehlerfreiem Deutsch vorgetragenen Aufforderung: "Bangen Sie das fucking Kopf!!" folgten die begeisterten Fans nur zu gerne. Und der Verfasser dieser Zeilen stand mit meterhoher Gänsehaut in den ersten Reihen und konnte ausnahmslos freudige Gesichter ausmachen, die alle glücklich waren, dies noch mal erleben zu dürfen! Es wäre eine Schande, wenn sich die Band in dieser Verfassung zur Ruhe setzen würde, denn CANDLEMASS waren - zumindest für mich und trotz teilweise starker Konkurrenz - das absolute Highlight des Bang Your Head!!!-Festivals 2002.
Martin Brandt



...zeigten sich musikalisch sogar noch vielseitiger als ihre Kollegen von GAMMA RAY am Vortag - sicher eine Folge der Erfahrungen ihres Masterminds Piet Sielck als Produzent. Auch über die Songauswahl konnte nicht gemeckert werden, von 'Coming Home' bis 'I've Been To Hell' waren die Highlights der Band vertreten. Ihr Gig wurde daher zu einer runden Sache, obwohl der Monitorsound ziemlich miserabel war, so daß die fünf Burschen quasi "taub" arbeiten mußten. Vor der Bühne war von diesen Problemen nichts zu spüren. 'Protector' vom exzellenten neuen Album 'Condition Red' war ein klasse Opener. Die Band spielte tight zusammen, die Stimmung untereinander, wie auch der Kontakt zum Publikum war okay. Nun müßte der stimmlich hervorragende Frontmann Piet sich noch optisch und mit seinen Ansagen zu einem solchen entwickeln, dann wäre alles in Butter. Bassist Jan überbrückte immerhin die Zeit des Gitarrenwechsels mit der Frage ans Publikum "Ist bei euch alles im Lack da unten?" Doch um die Dichte des Sounds noch atmosphärischer zu gestalten, dürften die Pausen zwischen den Songs gern kürzer ausfallen. Wer IRON SAVIOR noch nicht ohne Kai Hansen gesehen hatte, durfte erkennen, daß diese Band tatsächlich schon immer ein Eigenleben geführt hat. Gitarrist Piesel, im Nebenjob Gitarrentechniker (im Volksmund "Roadie") für Kai Hansen bei GAMMA RAY, hat einen erstklassigen Job abgeliefert. Bleibt nur zu hoffen, daß die aktuelle Besetzung mit Piet, Piesel, Jan, Thomas und Andreas Bestand haben wird. Dann dürfte noch einiges von den Jungs zu hören sein.
Jörg Schulz



...zählten sonnenklar zu den Gewinnern des diesjährigen Bang Your Head!!!. Offenkundig hatten noch nicht viele Fans von dieser Band gehört. Bei den ersten Klängen des Intros 'The Curse' hoben aber doch einige der bequem vor der Bühne zwischengelagerten Metal-Maniacs reptilhaft träge ihre Köpfe. Spätestens mit 'Holy War' und den ersten krachenden Pyros mutierten die Festival-erschöpften ruhenden Leguane wieder zu interessierten Metal-Freaks. Denn die Buben hatten nicht nur einen guten Sound und spielten sich hervorragend durch ihr Set. Sie boten auch die beste Coverversion eines ehedem von Ronnie James Dio gesungenen Stückes auf diesem Festival: 'Heaven And Hell', eingebaut in ihr stark daran orientiertes 'Sons Of Mayhem'. Sänger/Gitarrist/Hauptsongwriter Jürgen Volk ist nämlich nicht nur ein begnadeter Animateur, er weiß seine facettenreiche Stimme auch effektvoll einzusetzen. Vor der Bühne war mittlerweile ein richtiges Gedränge entstanden, aus dem heraus die "RAWHEAD REXX!"-Rufe immer lauter wurden. Nach dem neuen Song 'Metal War', der Appetit auf das zweite Album macht, kam anläßlich der Bandhymne ein riesiger Saurier in der Bauart eines T. Rex auf die Bühne, dessen ungelenke Bewegungen an den frühen Eddie von IRON MAIDEN erinnerten. Damit war der absolute Höhepunkt vorbereitet worden, denn das Quartett ließ mit 'On The Edge' und 'Abandoned' zwei alte Kracher von VICIOUS RUMORS folgen - zur Freude der Band UND des Publikums mit Geoff Thorpe von VICIOUS RUMORS an der Gitarre, der mit ungeheurer Energie die Weite von Bühne und Laufsteg ausnutzte. Die (leider zu kurze) Show endete mit einem fulminanten Gitarrenfeuerwerk und dürfte der Band einige neue Fans beschert haben.
Jörg Schulz



Nein, Warrels Haare sind noch dran, auch wenn sein gut behüteter Auftritt erste Schockreaktionen im Publikum ausgelöst hat. Doch schon nach wenigen Augenblicken präsentierte der prächtig gelaunte Shouter seine Matte, die er bei diesem energiegeladenen Auftritt auch dringend nötig hatte! NEVERMORE hatten in Balingen vor allem ihre heftigeren Songs im Gepäck, und mit 'We Disintegrate', 'Narcosynthesis' oder 'The Sound Of Silence' wurde alles in Schutt und Asche geböllert. Ex-VICIOUS RUMORS- und jetzt TESTAMENT-Axeman Steve Smyth fügte sich hervorragend in die Band ein, und vor allem Warrel schaffte es spielend, die Fans zu Höchstleistungen zu peitschen. Nachdem der Blondschopf während des gesamten Gigs die Menge dazu ermutigt hatte, doch zu ihm auf die Bühne zu kommen, fühlte man sich beim abschließenden METALLICA-Cover 'Ride The Lightning' glatt an das legendäre 'Gung-Ho'-Video von ANTHRAX erinnert - so viele Leute habe ich seit einer Ewigkeit nicht mehr auf einer Bühne gemeinsam abbangen sehen, was ein glorreiches Ende für einen bemerkenswerten Gig markieren sollte. Und wenn der Rest der neuen Platte so stark wird wie der exklusiv vorgestellte Titeltrack 'Enemies Of Reality', dann können wir uns schon jetzt auf die nächste Tour der Seattle-Veteranen freuen...
Martin Römpp



Da Tony Clarkin von MAGNUM nach seinem Auftritt beim Sweden Rock Festival einen Herzinfarkt erlitten hatte, mußte in kürzester Zeit ein gleichwertiger Ersatz her... und da war unsere Metal-Priesterin Doro Pesch ganz klar erste Wahl! Außerdem war sie bestimmt ganz heiß drauf, ihren "Pleiten, Pech und Pannen"-Auftritt vor zwei Jahren auf dem Bang Your Head!!!-Festival im positiven Sinn zu toppen. Zur Erinnerung: Damals konnte DORO nur mit einem abgespeckten Programm, dennoch aber mit einer erstklassigen Performance glänzen, weil der Drummer kurz zuvor das Weite gesucht hatte. Und kann es einen besseren Auftakt als 'Hellbound', 'Burning The Witches', 'I Rule The Ruins' und dem 'Calling The Wild'-Schenkelklopfer 'Burn It Up' geben? Genau, und so herrschte zum ersten Mal an diesem Tag richtige Party-Stimmung auf dem Gelände. Und als DORO zum "metallischen Tango" aufforderte, sind selbst die härtesten Männerherzen dahingeschmolzen. Und in der Tat: Doro sieht immer noch genauso zuckersüß und schnuckelig aus wie vor 15 Jahren, und wenn Basser Nick vor ihr kniend spielt, dann darf man sich schon fragen, ob ein Job als CD-Disponent, Leiter einer Werbeagentur, Schreiberling oder Politiker wirklich so erstrebenswert war und eine vernünftige Ausbildung am Viersaiter nicht doch die bessere Wahl gewesen wäre... Neben bewährten Hits - da durften natürlich 'Für immer', 'East Meets West' und die All Time-Hymne 'All We Are' nicht fehlen - mischte unser Fräuleinwunder die Meute mit 'Hellraiser' und dem BILLY IDOL-Cover 'White Wedding' kräftig auf und gab ganz nebenbei gleich drei Stücke aus ihrem vielversprechenden und im August erscheinenden Album 'Fight' zum Besten. Mit 'Ich will alles' - das glaube ich dieser Frau aufs Wort! - verabschiedete sich DORO nach einer knappen Stunde und der einzige klitzekleine Kritikpunkt meinerseits ist die Tatsache, daß 'Love Me In Black' - vor zwei Jahren in einer Killerversion an gleicher Stelle vorgetragen - diesmal nicht mit von der Partie war. Ansonsten: allererste Sahne!
Chris Glaub



Verdammt, mich interessiert es nicht im geringsten, welche Laus Herrn Halford am heutigen Tag über die Leber gelaufen ist - denn das, was der Metal-God in Balingen abgezogen hat, ist schlicht und ergreifend eine Frechheit. Ob es nun an der Verzögerung lag, die seine eigenen Techniker durch einen kaputten Amp in der Backline zu verantworten hatten, oder am Fehlen seines Harley-Auftritts - nichts rechtfertigt es, seine Fans so zu behandeln, wie es Rob Halford beim Bang Your Head!!! getan hat. Während des kompletten Gigs ließ sich der Meister zu keiner einzigen Ansage herab, kein einziges Dankeschön kam über seine Lippen, obwohl gerade die vorderen Reihen trotz allem noch bereit waren, mitihm abzufeiern. Dabei hätte es alles so einfach sein können, schließlich war die Setlist klasse, und bis auf ein paar Ausfälle bei 'Painkiller' war der Herr auch ganz passabel bei Stimme. Wenn er dann aber mit einem einzigen Gig quasi die komplette Promotionkampagne für's neue Album 'Crucible' in den Gulli kickt, ist dem guten Rob wohl wirklich nicht mehr zu helfen. Das Ablesen der Texte vom Teleprompter hätte ihm jeder verziehen - die Arroganz dem Publikum gegenüber kann sich jedoch auch ein selbsternannter Gott nicht erlauben...
Martin Römpp



Tja, eigentlich waren NEVERMORE ja fast die härteste Band des Festivals. Eigentlich? Ja, denn nach dem Zugrabetragen der Legende Rob Halford (was für ein miserabler Gig!) standen natürlich noch SLAYER als DER krönende Abschluß in den Startlöchern. Und diesen Job erledigten die Totschläger nach allen Regeln der Kunst. Mit Dave Lombardo an den Drums kam Balingen in den Genuß, die Originalbesetzung der Thrash-Götter bestaunen zu dürfen, die, im Vergleich zum eine Viertelstunde kürzeren Böblingen-Auftritt bei der letztjährigen 'Tattoo-The-Planet'-Tour, diesmal kaum Verschnaufpausen oder lange Ansagen von Mr. Araya am Start hatten, sondern einfach pur ihre Killersongs auf die lechzende Meute losließen, daß meine Stimmbänder und Nackenmuskeln noch Tage später um Gnade winselten. Die 90-Minuten-Vollbedienung boten einen guten Querschnitt aller Bandphasen mit erstaunlich vielen Tracks neueren Datums wie 'Darkness of Christ', 'Disciple', 'Stain Of Mind', 'Dittohead', 'Bloodline' und 'God Sent Death' und einer dezenten, aber sehr effektiven Lightshow (obwohl ich zugeben muß, davon nicht allzu viel mitbekommen zu haben, da man beim Ausrasten und Durchdrehen kaum noch gezielt nach Showschmankerln Ausschau halten kann!). Daß die absoluten Highlights teils im Dreier- oder Viererpack gnadenlos am Stück abgefeuert wurden, stellte die SLAYER-Jünger auf eine ganz harte Durchhalteprobe. So gab es zwischen 'Postmortem', 'Raining Blood' und 'Hell Awaits' genausowenig eine Pause, wie zwischen 'Dead Skin Mask', 'Season In The Abyss', 'Mandatory Suicide' und 'Chemical Warfare', mit denen der Hauptteil der Show abgeschlossen wurde. Als laut geforderte Zugaben gab es dann freilich noch 'South Of Heaven' und 'Angel Of Death' geschenkt, und danach war leider unvermeidlich und trotz massiver SLAYER-Rufe Schluß, und das große Feuerwerk wurde gestartet. Grandioser Abschluß eines tollen Festivalwochenendes!
Hage





FESTIVAL-RÜCKBLICK
BYH!!! 2002


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