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BYH!!! Rückblick 2006
CLUB-SHOW am 22. Juni


TONY MARTIN
RAVEN
BEYOND FEAR
ABANDONED



ABANDONED

ABANDONED aus Hessen sorgten in den letzten Jahren für ziemlichen Gesprächsstoff. Sei es nun durch das Verteilen von bunten Papiertröten mit Bandaufklebern auf Festivals, einer „Zipped Version“ des Songs ‘I Am The Sun’ auf ihrer EP ‘Misanthrope’, bei der sie erfolgreich versuchten, die Gitarren durch Reißverschlüsse zu ersetzen - oder einfach nur, weil sie gute Musik machen und so z.B. im April 2004 das Demo des Monats fürs Rock Hard ablieferten und im Folgejahr als Sieger aus dem mp3-Wettbewerb SIMeVIL hervorgingen. Wie dem auch sei, auf alle Fälle gaben ABANDONED bei der Warm-up-Show mächtig Gas und ließen die Bang Your Head!!!-Absage von EXODUS fast vergessen. Dem Publikum bot sich ein wahres Feuerwerk an Old School Thrash gepaart mit denkwürdig beknackten Ansagen von Sänger/Gitarrist Kalli, bei denen auch der letzte Zuschauer vor Lachen sein Bier absetzen mußte. Nach dem Motto „Hand- bzw. Fußkäs’ mit Musigg“ (den man nach drei Tagen Festival angeblich bekommen soll), hauten Holg, Günt, Konny und Kalli einen Thrash-Knaller nach dem anderen runter. Die meisten der Stücke stammten vom Silberling ‘Thrash Notes’, darunter ‘Holy Terror’, ‘Demonic’, sowie ‘Hell Is Home’ und ‘Take The Spell’, an denen die Herren Hetfield und Hammett sich ein Beispiel nehmen könnten, anstatt ‘Master Of Puppets’ vor einem Popper-Publikum zu präsentieren oder wieder etwas Uninspiriertes wie ‘St. Anger’ abzuliefern. ABANDONED jedenfalls hatten das Motto des Festivals verstanden und sorgten mit ihren „Birnenabschraubern“ für ein wohliges Gefühl in der Nackengegend.
Daniel Wamsler


BEYOND FEAR

Gespannt warteten viele auf die Beantwortung der Frage: Kann Tim Ripper Owens mit eigenen Songs auf einer kleinen Club-Anlage überzeugen? - Er kann! Auch wenn der Sound nicht gerade der beste war - die tiefergestimmten Gitarren rumpelten doch heftigst durch den Saal - lieferten BEYOND FEAR eine erstklassige Show ab. Immer wieder interessant, mit welch scheinbarer Leichtigkeit der Sänger seinem Zwerchfell die kräftigsten Töne entlockt. Zwar wird Owens die über Jahre einstudierten Rob Halford-Posen vermutlich nie wieder ganz loswerden, aber wen juckt das schon?! Ebenfalls als Kämpfer an vorderster Front erwies sich Baßmann Dennis Hayes, der manchem eventuell noch von SEVEN WITCHES-Zeiten her bekannt sein dürfte. Fast schien es, als würde er sich bei jedem einzelnen Song vollends verausgaben, so daß ihm bereits nach wenigen Minuten der Schweiß aus allen Poren tropfte. Neben den Stücken vom BEYOND FEAR-Album blieb genügend Raum für zwei Titel aus Rippers JUDAS PRIEST-Repertoire. Verständlicherweise keine Halford-Klassiker, sondern Songs der Alben ‘Jugulator’ und ‘Demolition’. Leider war das riffige ‘Bullet Train’ ebenso wenig dabei wie die FLEETWOOD MAC-Coverversion ‘The Green Manalishi’, die Ripper und seine Jungs noch auf dem Rock Hard Festival in Gelsenkirchen zum Besten gegeben hatten. Dafür gab’s ein hammergeiles Medley aus BLACK SABBATHs ‘War Pigs’ und ‘Neon Knights’, mit denen Owens nochmals unter Beweis stellte, daß er selbst Größen wie Dio und Ozzy Osbourne das Wasser reichen kann.
Daniel Wamsler



RAVEN

Nach dem vor allem in der ersten Hälfte furiosen BEYOND FEAR-Gig, der allerdings keine wirklich euphorischen Zuschauerreaktionen hervorrief, konnten die NWoBHM-Veteranen RAVEN die Stimmung erstaunlicherweise von Beginn an toppen und summa summarum gar als Sieger aller Acts in Sachen Publikumsresonanz aus dem Club-Gig hervorgehen, da man sich überwiegend auf die Klassiker der frühen Alben - darunter ‘Take Control’, ‘Mind Over Metal’, ‘Live At The Inferno’ und ‘All For One’ - konzentrierte. Klar, das Eierschneidergejaule von John Gallagher war und ist absolute Geschmackssache, aber der simpel-effektive, mit wilden Breaks durchsetzte Metal des Trios, mit chaotischem Charme und energetisch-offensivem Bühnengebaren dargeboten, entfaltet gerade auf einer kleinen Bühne und bei hautnahem Kontakt zu den Fans seine Wirkung, was wohl auch DEATH ANGEL-Frontmann Mark Osegueda so sah, der den Auftritt mit einem glücksseligen Grinsen und erhobenen Fäusten verfolgte und darüber hinaus respektable Textsicherheit bewies - so outen sich Fans in der Hitze der Nacht. In ‘Break The Chain’ baute die Band als Clou ein wild zusammengewürfeltes Party-Medley ein, das sich unter anderem aus ‘Need Your Love’ (CHEAP TRICK), ‘Genocide’ (JUDAS PRIEST), ‘Dog Eat Dog’ (AC/DC) und ‘Symptom Of The Universe’ (BLACK SABBATH) zusammensetzte, und zollte so einigen ihrer musikalischen Heroen Respekt. Nach einer reichlichen Stunde verließen die Herren Gallagher, Gallagher und Hasselvander dann unter lautem Applaus die Bühne.
Alexander Kolbe


TONY MARTIN

Diese Truppe entpuppte sich als eine der großen Überraschungen des Festivals, hatten doch viele den ehemaligen (und leider auch schwächsten) BLACK SABBATH-Sänger schon lange abgeschrieben. Denn Tony Martin war einige Zeit für die Metal-Szene ein „Problemkind“, da es ihm nach den Heroen Ozzy und Dio sowie den Interimslösungen Gillan und Hughes an Adäquanz zum Sound der Band mangelte. Andererseits konnte er sich im Schatten der Großen auch nur spärlich entwickeln. Doch mit seinem Album ‘Scream’ und etlichen guten SABBATH-Anklängen aus dem vergangenen Jahr ließ er die Kritiker verstummen. Seither ist der für die kompositorische Dichte verdammt wichtige und vorher 25 Jahre lang in Diensten von BLACK SABBATH stehende Keyboarder Geoff Nicholls sein wichtigster Begleiter. Außerdem wurde Tony durch seinen Sohn Joe Harford (g), Fabio Cerrone (g), Jamie Mallender (b) und Danny Needham (d) begleitet. Das Programm stand von vornherein fest: Wer, wenn nicht Tony Martin, sollte die Songs aus seiner BLACK SABBATH-Periode auf die Bühne bringen? So startete er mit seinen Jungs von Beginn an voll durch: ‘Lawmaker’, ’Devil And Daughter’, ‘Eternal Idol’, ‘The Hand That Rocks The Cradle’ und ‘I Witness’ deuteten unaufhaltsam auf den ersten Höhepunkt hin: ‘When Death Calls’. Nach der anschließenden Bandvorstellung folgte die einzige schwache Interpretation dieser Show, denn an ‘Children Of The Sea’ hatte sich Herr Martin ja schon in seiner aktiven Zeit mit Riffgott Tony Iommi die Zähne ausgebissen. Andererseits gelang dadurch ein nahezu organischer Übergang zu dem EMPIRE-Stück ‘Raven Ride’ mit Rolf Munkes an der Gitarre. Nach dem folgenden ‘Breathe’ fand die Präsentation neuer Songs mit dem ungewöhnlichen Titelstück ‘Scream’ des Albums der TONY MARTIN BAND (mit Tony an der Violine) und dem kraftvollen ‘Raising Hell’ ein Ende. ‘The Shining’ und ‘Headless Cross’ bildeten den würdigen Abschluß einer überzeugenden Show.
Jörg Schulz







FESTIVAL-RÜCKBLICK
BYH!!! 2006


 

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