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BYH!!! Rückblick 2007 EDGUY AGE OF EVIL Nach ihren umjubelten WOM-Auftritt vom Donnerstag hatten das ganze Team und alle anwesenden Musiker die Jungs von AGE OF EVIL so sehr ins Herz geschlossen (GIRLSCHOOL wollten sie sogar adoptieren), daß es sich Horst nicht nehmen ließ, dem Vierer spontan eine Chance auf der großen Bühne zu geben. Als kurzfristiger Pre-Opener spielten AGE OF EVIL ein abgekürztes Set, bei dem wieder der ‘Metal Crusade’-Track ‘The Storm’ und die Coverversion ‘Call Me Evil’ zum Einsatz kamen. Als absolute Krönung des Wochenendes lud ein begeisterter Horst E. Franz die Band auf der Bühne zum Bang Your Head!!! 2008 erneut ein und die Jungs versprachen, nächstes Jahr ihren Mentor Tom Gattis (Ex-DEUCE/TENSION/WARDOG, BALLISTIC) zum ‘Call Me Evil’-Duett mitzubringen. Martin Brandt Aber mit AGE OF EVIL war die Jugendförderung beim Bang Your Head!!! 2007 noch lange nicht abgeschlossen, denn auch das Power-Trio von ARCHER aus Santa Cruz, Kalifornien, ist ein noch recht unbeschriebenes (wenn auch insgesamt etwas älteres) Blatt, das die ihm gebotene Chance auf der Hauptbühne mit beiden Händen ergriff. Neben dem musikalischen Knowhow hatten ARCHER aber auch das entsprechende Bühnengepose voll drauf, und auch wenn sie nur zu dritt waren, wußten sie den weitläufigen Raum gut zu nutzen. Optisch waren sie jedenfalls zu keiner Sekunde langweilig, und man mußte sich fast Sorgen um den sehr agilen Bassisten Isaiah machen, denn neben aktiven Bang-Orgien setzte er ein ums andere Mal zu gewagten Mammutsprüngen auf die Rampe an. Der blonde Sänger/Gitarrist Dylan verband die metallische Attitüde eines jungen James Hetfield mit dem groovigen Rock ’n’ Roll-Touch von Zakk Wylde, und auch ihm quoll die Spielfreude und der unbändige Spaß an der Performance aus allen Poren. Obwohl ARCHER frisch klingen, ist ihr Sound nicht zwingend modern zu nennen, denn trotz zeitgemäßer Umsetzung spielt die klassisch rockende Tradition im Stile von z.B. THIN LIZZY eine nicht unerhebliche Rolle bei ARCHERs Musik. Das Publikum griff das Gebotene zu früher Stunde dankbar auf und feierte mit den Jungs zu den Stücken ihres Debütalbums ‘Doom$day Profit$’ wie z.B. ‘Last Of His Kind’ oder ‘Hell Hath No Furies’ eine ausgelassene Metal/Rock-Party. Martin Brandt MYSTIC PROPHECY sind eine schwer einzuschätzende Band. Verirren sich zu ihren Clubgigs eher weniger Leute, war es am BYH!!!-Samstag um 10:50 Uhr, als pünktlich auf die Minute die ersten Töne der griechisch-deutschen Kollaboration erklangen, schon überraschend voll vor der Bühne. Daher ließ sich der sympathische Fünfer nicht lumpen und feuerte ein astreines Best Of-Programm seiner bisherigen vier Alben in die Menge. Der Schwerpunkt lag dabei natürlich auf ihrem letzten und auch besten Album ‘Savage Souls’ (u.a. ‘Masters Of Sin’, ‘Evil Empires’, ‘In The Darkness’). Daß MYSTIC PROPHECY in den letzten Jahren öfters gespielt haben, merkte man ihrer Performance ganz deutlich an. Gerade im Vergleich zum Gig in Wacken vor zwei Jahren wirkte ihr Posing deutlich routinierter. Vor allem Sänger RD Liapakis hat stark an sich gearbeitet, auch wenn manchmal immer noch das letzte Quentchen Volumen in seiner Stimme fehlt, um bei den ganz großen Namen des Genres mithalten zu können. Genauso sollte man über manche seiner Ansagen lieber den Mantel des Schweigens packen, aber hier geht es ja um die Musik. Und die hat bei fettestem Festivalsound hundertprozentig gestimmt. Ergebnis: Beim abschließenden ‘Burning Bridges’ gingen wesentlich mehr Hände nach oben als noch während der ersten drei Songs, und auch die Müdigkeit schien den anwesenden Bangern etwas aus den Gliedern gefahren zu sein. Das in Kürze erscheinende neue Album der Jungs werden sich bestimmt nicht wenige Zeugen dieses Gigs eintüten. David Gregori Auf den Auftritt der wiedervereinigten POWERMAD hatte nicht nur ich mich sehr gefreut. Leider aber mußten die Jungs ohne ihren Powerdrummer John Macaluso anreisen, doch ansonsten waren mit Joel Dubay (v & g), Todd Haug (g) und Jeff Litke (b) alle Original-Mitglieder an Bord. Allerdings muß ich zugeben, daß die Zeit nicht spurlos an POWERMAD vorbeigezogen ist. Statt langhaariger Optik präsentiert Joel einen rasierten Schädel, ein Wohlstandsbäuchlein, kurze Khaki-Hosen und eine Harry-Potter-Gedächtnis-Brille. Insgesamt also eher gewöhnungsbedürftig und nicht gerade das Aussehen, das man sich von den POWERMADs gewünscht hätte. Leider war die Band auch nicht so tight und eingespielt, wie man es von den Songs auf CD gewohnt war. Man muß ihnen aber zugute halten, daß die Setlist keine Wünsche offen ließ und uns mit neuen unbekannten Stücken verschonte. Stattdessen präsentierten POWERMAD mit ‘Absolute Power’, ‘B.N.R.’, dem aus dem David Lynch-Film ‘Wild At Heart’ bekannten ‘Slaughterhouse’, ‘Nice Dreams’, Plastic Town’, ‘Hunter Seeker’ oder ‘Terminator’ genau die Songs, auf die sich die Fans so sehr gefreut hatten. Allerdings mogelte sich Joel um die schwierig zu singenden Passagen ein wenig herum, was den Hörgenuß ein wenig schmälerte. Im Gegensatz zu LETHAL konnten POWERMAD ihre Die Hard-Fans nicht hundertprozentig überzeugen, spielten aber nach den ganzen Jahren der Band-Abstinenz einen Gig, der besser war als befürchtet, aber leider nicht ganz so gut wie erhofft. Martin Brandt Hatten die Jungs von MERCENARY auf der Tour mit NEVERMORE noch mit massiven Soundproblemen zu kämpfen, und durften sie auf dem Rock Hard Festival 2006 nur die kleine Bühne entern, sind solcherlei Vorfälle inzwischen offensichtlich ad acta gelegt. Passend zum musikalischen Feuerwerk der Dänen rissen die Wolken über dem Balinger Messegelände kurzzeitig auf, um die Strahlen der Sonne durchzulassen. Denn von der Bühne blies ein dänisches Windchen, das es in sich hatte. Ob die Bezeichnung Melodic Death Metal wirklich zur Musik paßt, sei dahingestellt. Zu hören gab es jedenfalls geballte Power mit hammergeilen Gitarrenriffs und perfektem dreistimmigem Gesang, bei dem Sängerknabe Mikkel Sandager von seinem Keyboarder und Bruder Morten, sowie Bassist Rene Pedersen lautstark unterstützt wurde. Die Band bot besten Metal von spielfreudigen Musikern und hätte meines Erachtens nach gerne deutlich später auftreten dürfen. Das Songmaterial stammte hauptsächlich von den letzten beiden MERCENARY-Alben ’The Hours That Remain’ und ’11 Dreams’ mit Mikkel Sandager am Mikrophon. Dessen Lederjacke, die er bei den Auftritten trägt, ist wohl ein Glücksbringer. Denn in dem Teil steckt garantiert der Bühnenschweiß von mindestens zwei Jahren. Auf alle Fälle ein Glücksgriff war die Wahl Rene Pedersens, der seit Mai letzten Jahres die dicken Saiten für MERCENARY in Schwingung versetzt. Dieser Kerl rockt nicht nur, sondern vermag es auch, seiner Kehle die richtigen Töne zur richtigen Zeit und in der richtigen Reihenfolge zu entlocken. Weiter so! Daniel Wamsler Als hätten die Finnen das Wetter passend zu ihrem düsteren Sound bestellt, zog sich der ohnehin schon wolkenverhangene Himmel quasi im selben Moment, in dem das Sextett die Bühne enterte, noch dichter und schwärzer zu. Daß wenige Augenblicke später allerdings auch noch ein Regenschauer aufs Gelände niederprasselte und sich nicht wenige deshalb zu den Bierständen verkrümelten, wirkte sich nicht gerade förderlich auf die Stimmung aus. Die war bei AMORPHIS ohnehin eher gebremst, vielleicht, weil atmosphärische Melancholie eher zum andächtigen Schwelgen denn zum zügellosen Bangen animiert. Nicht zuletzt mag es aber auch daran gelegen haben, daß die Show insgesamt ein wenig statisch ausfiel. Esa Holopainen schlenderte mit seiner Klampfe ab und an gemächlich von links nach rechts, damit hatte sich das Bewegungspotential der Herrschaften dann aber auch schon erschöpft. Nur Tomi Joutsen, der sich inzwischen bestens integriert hat und sichtbar wohl fühlt, nahm seine Frontmann-Pflichten ernst, sprühte vor Temperament und ließ mehrfach die beeindruckend langen Rastazöpfe im Helikopter-Stil rotieren. Dank seiner Stimmgewalt konnte neben ‘House Of Sleep’ und Konsorten auch älteres Material wie ‘Magic And Mayhem’ oder ‘Against Widows’ wieder in die Setlist aufgenommen werden. Auf ‘Black Winter Day’, den Klassiker schlechthin, wartete die Festivalgemeinde jedoch einmal mehr vergeblich. Schade eigentlich, wenigstens ein „echter” Hit hätte der Darbietung sicher gut getan und ein wenig zusätzlichen Pfeffer verliehen. Daniela Sickinger Tja, am frühen Samstagnachmittag war die Bühne des Bang Your Head!!!-Festivals fest in finnischer Hand. Denn nach AMORPHIS kletterten deren Landsmänner FINNTROLL auf die Bretter, die die Welt bedeuten und brachten eine ordentliche Kelle Folk Metal unters Volk. Durch die Bank weg in feinen Rock-Zwirn gekleidet (Neu-Frontmann Matthias Lillmåns hatte sich sogar augenscheinlich den lang geschnittenen Lederfummel von DIMMU BORGIRs Shagrath ausgeborgt), gaben die Jungs Gas und präsentierten sowohl Tracks des aktuellen Langspielers ‘Ur Jordens Djup’ als auch älteres Material, wie zum Beispiel das unumgängliche ‘Trollhammaren’. Gerade bei diesen älteren Angelegenheiten wurde jedoch sehr schnell deutlich, daß Matthias seinem Vorgänger Tapio Wilska in Sachen Ausstrahlung und Bühnenpräsenz nicht ganz das Wasser reichen kann. Da fehlt dem Guten einfach der „voluminöse Resonanzkörper” Wilskas, aber sei es drum! Die Band gab auch so eine gute Figur ab und wie bei so vielen Bands des diesjährigen Open Airs in Balingen verging auch hier die Zeit wie im Fluge. Nullkommanix waren die knapp fünfzig Minuten schon wieder um, und so manch einer auf dem Messegelände dürfte die schwedisch singenden Finnen in sein Herz geschlossen haben. Wenn man dennoch einen Kritikpunkt anbringen möchte, dann ist das sicherlich die Tatsache, daß die Band sich dazu durchringen sollte, ihre für den Metal-Bereich exotischen Instrumente (z.B. Ziehharmonika) bei solchen Gelegenheiten von einem Musiker live spielen zu lassen. Samples haben immer einen faden Beigeschmack... Peter Engelking Wenn eine Band ihren Gig mit ‘Auf de Schwäb’sche Eisebahn’ einläuten läßt, dann hat sie nicht nur Spaß in den Backen, sondern auch eine gehörige Portion Mut und Selbstbewußtsein. Tja, und eine Band, die sich dies definitiv erlauben kann, ist die schwäbische US-Power Metal-Institution BRAINSTORM, die schon seit Jahren die Speerspitze der deutschen Szene bereichert. Dies liegt zum einen an ihren durchweg großartigen Alben, die sie konstant Jahr für Jahr raushauen, zum anderen aber definitiv auch an ihren mitreißenden Liveauftritten. Nicht Kompetentesten in unseren Breitengraden zählen, nein, gerade live beweist Sänger Andy B. Franck immer wieder aufs Neue, daß er mit Fug und Recht zum Besten gehört, was live seine Stimme erhebt - und dies nicht nur in Deutschland! So auch dieses Mal bei ihrem erneuten Heimspiel in Balingen, wo der Wunschschwiegersohn aller Mütter (oder auch: „der schwäbische Metal Gott“, wie ihn die Bild-Zeitung Stuttgart bezeichnet hat... - Jagger) trotz immenser Bewegungsfreudigkeit nahezu jeden Ton perfekt traf und sicher etlichen seiner Kollegen die Schamesröte ins Gesicht trieb. Absolut sympathisch, engagiert und spielfreudig konnten die Ost-Albler von Beginn an das Publikum mitreißen, es zu allen möglichen (und unmöglichen) Mitsing- und Mitklatschspielchen animieren, mit Einlagen wie der „Harley Davidson”-PRIEST/MANOWAR-Verarsche erheitern (Andy B. kam zu tosenden Motorgeräuschen auf einem Mini-Imitat reingerollt) und mit Erste Sahne-Krachern der Marke ‘Inside A Monster’, ‘Worlds Are Coming Through’, ‘Blind Suffering’ oder dem abschließenden ‘All Those Words’ begeistern. Und daß der Gig zu einem echten Triumphzug für die Jungs wurde, zeigte sich vor allem auch daran, daß sie noch minutenlang nach Ende des Auftritts vom Publikum frenetisch bejubelt, gefeiert und mit Gesängen bedacht wurden. Das werden weder Band noch Publikum so schnell vergessen. Fragt sich nur, ob BRAINSTORM nicht vielleicht eine oder gar zwei Positionen zu niedrig im Billing plaziert waren. Hammer! Hage Daß altgediente Hardrock-Formationen im ansonsten eher härter ausgerichteten BYH!!!-Programm nicht zwangsläufig sang- und klanglos untergehen müssen, haben in den letzten Jahren bereits Gruppen wie MAGNUM und vor allem FOREIGNER bewiesen. In diesem Jahr waren es nun die Schotten von NAZARETH um die charismatische Reibeisenstimme Dan McCafferty, die in Balingen die Flagge der legendären Acts hochhalten durften. Nun, ganz so euphorisch-überschwengliche Publikumsreaktionen wie Mick Jones und seine FOREIGNER-Mitstreiter letztes Jahr konnten NAZARETH zwar nicht lostreten, ein ordentlicher Nostalgie-Trip war der rund einstündige Auftritt aber dennoch. Nach einem reichlich lang gewählten Dudelsack-Intro vom Band lud das Quartett zu einer kleinen Sightseeing-Tour durch die Bandhistory ein und präsentierte mit Songs wie ‘Razamanaz’, ‘Telegram’, ‘This Flight Tonight’, ‘I Want To Do Everything For Love’, ‘Love Hurts’ oder ‘Dream On’ Klassiker am laufenden Band. Einige der Titel wurden von der Formation zwar etwas zu sehr in die Länge gezogen (zumindest für einen Festival-Auftritt), aber daran haben sich wohl die wenigsten Interessierten wirklich gestört - genauso wenig übrigens wie an Mr. McCaffertys nicht durchgehend „astreinem” Gesang. Schließlich war das Ganze ja auch keine Mini-Playback-Show, sondern der Gig einer dem Whiskey nicht abgeneigten Truppe, und der endete nach der Zugabe ‘Morning Dew’ mit vielen zufriedenen Gesichtern auf und abseits der Bühne. So soll’s sein! Peter Engelking Bei Blackie Lawless und seinen Mannen war dann erst einmal das große Warten angesagt - the torture never starts, so schien es. Geschlagene 20 Minuten zu spät - offiziell wegen technischer Probleme - konnte es dann endlich losgehen, statt der ursprünglich angesetzten 80 Minuten blieb aber logischerweise nur noch die übliche Lawless’sche Stunde übrig - ein Schelm, wer mit diesem Gedanken im Hinterkopf vermutete, der Gesetzlose habe mit seinen Anfang Fünfzig eben nur noch Luft für 60 Zeitspäne zwischen den schlaffen Arschbacken. Alles kein Problem, wenn dann, aufbauend auf den sehr positiven Kritiken zum neuen Opus ‘Dominator’, wie im Herbst bei den deutschen Clubgigs eine Stunde lang die Luft brennt. Doch bereits nach dem zum Medley verkürzten Eingangstrio (der Standard-Opener ‘On Your Knees’, das tief aus der Überraschungskiste herausgekramte ‘Inside The Electric Circus’ sowie der neue Track ‘Mercy’) stand fest, daß W.A.S.P. kein Highlight des diesjährigen BYH!!! sein würden. Blackie wirkte nicht gerade topmotiviert, sang gewohnt wechselhaft (arg mit seinen Stimmbändern kämpfend bei ‘Chainsaw Charlie’, überraschend voll und melodiös (playbackunterstützt?) bei ‘Take Me Up’), und auch der Sound war nicht das vielzitierte Gelbe vom Ei. Außerdem können W.A.S.P. bei Tageslicht einfach nicht ihre optimale Wirkung entfalten - Herr Lawless erkannte dieses Problem bereits 1995 und nannte daher sein damaliges Album ‘Still Not Black Enough’. Wirklich euphorische Stimmung, die eine Band mit so vielen Klassikern in der sexuell abartigen Hinterhand auszulösen in der Lage sein müßte, kam nie auf, auch wenn man mit Gassenhauern wie ‘L.O.V.E. Machine’, ‘I Wanna Be Somebody’ oder ‘Blind In Texas’ auf einem Sommerfestival nie wirklich auf die Verliererstraße abrutschen kann. Alexander Kolbe Als „very special guests” wurden die Schweden angekündigt und entfachten unfreiwillig bereits im Vorfeld eine hitzige Diskussion, ob nicht besser sie statt EDGUY auf die Headliner-Position gesetzt worden wären. Aber mal ganz ehrlich: Rückblickend war es doch komplett schnurz, ob HAMMERFALL nun um 19.30 Uhr loslegten oder knapp zwei Stunden später - einen Höllenspaß hat die Chose so oder so gemacht. Und am Bühnenaufbau wurde ob der Tatsache, „nur” als Co-Headliner zu fungieren, schon mal gar nicht gespart. Klotzen statt kleckern hieß offensichtlich die Devise, was bei der blinkenden Showtreppe, die jeder Samstagabend-Fernsehshow zur Ehre gereichen würde, begann, auf der nicht weniger als zehn Bassdrums plaziert wurden, die den Bandnamen bildeten. Damit nicht genug, knallte und glitzerte es doch an allen Ecken, und beinahe im Minutentakt wechselten sich Flammensäulen, Pyros und farbige Funkenfontänen ab. Zum Augen- gesellte sich der Ohrenschmaus, denn die mit Hits und Klassikern wie ‘Riders On The Storm’, ‘Bloodbound’, ‘Hammerfall’ oder ‘Natural High’ bestückte Setlist ließ fast keine Wünsche offen. Da fiel es kaum ins Gewicht, daß nicht jede Passage technisch brillant umgesetzt oder der ein oder andere Einsatz leicht verpatzt wurde. Mit ihrem erfrischend agilen und natürlichen Stageacting machten die Protagonisten die kleinen Mängel locker wett, vor allem Fronter Joacim Cans sorgte mit rasanten Spurts, dynamischen Sprüngen und massiver Interaktion mit dem Publikum für blendende Stimmung. Absolut großartig auch die humorige Präsentation seiner Kollegen: Die Rückkehr von Fredrik Larsson kommentierte er zum Beispiel augenzwinkernd damit, daß „die Truppe jetzt irgendwie anders aussieht... nämlich häßlicher als vorher!” Aber wenn die Fans selbst lange nach dem Gig noch fröhlich ‘Hearts On Fire’ auf dem Klo pfeifen, kann es so schlimm ja nicht gewesen sein. Daniela Sickinger Ich will hier nicht in die ganz große Trickkiste greifen und das „Veni, Vidi, Vici“-Zitat des ollen Gaius Julius in den Ring werfen, doch wer im Vorfeld noch groß geunkt hatte, daß eine Band wie EDGUY doch niemals Headlinerstatus beim Bang Your Head!!! besitzen würde, dem dürften im Laufe der letzten 90 Minuten des Festivals die Argumente ausgegangen sein. Und mal ehrlich, wer die Hessen auf einer ihrer zahlreichen Tourneen mal gesehen hat, dem war schon lange klar, daß es kaum eine Band so versteht, das Publikum zu überzeugen und in ihre Show einzubinden. Langweilig wird’s bei EDGUY jedenfalls nie, und das liegt vor allem an der Masse an Hits, die sich Tobi, Jens, Dirk, Eggi und Felix über die Jahre aus den Ärmeln geschüttelt haben. Dabei wollen wir auch die Entertainment-Qualitäten von Herrn Sammet nicht vergessen, der aus der herzergreifenden Ballade ‘Save Me’ durch die Hinzufügung des Buchstaben ‘H’ einen Anti-Schamhaar-Song macht oder darauf hinweist, daß EDGUY Typen sind, die „nie einen abkriegen“. Nun gut, dieses tragische Schicksal werden die weiblichen Fans hoffentlich wieder wettmachen, sofern sie nicht Fans des VfB Stuttgart sind und die gewohnt flapsigen Fußball-Statements des bekennenden Anhängers eines UEFA-Cup-Teilnehmers in den falschen Hals bekommen haben... Doch zurück zum Spiel, das EDGUY mit Songs wie ‘Lavatory Love Machine’, ‘Tears Of A Mandrake’ oder ‘The Piper Never Dies’ immer souverän bestreiten konnten. Für Freunde alter Zeiten hatte man auch Klassiker wie ‘Vain Glory Opera’ oder ‘Wake Up The King’ im Gepäck, die auch den truen Metallern Spaß gemacht haben dürften. In gewohnt selbstironischer Art wurde der vermeintliche „Ausverkauf“ mit ‘Superheroes’ zelebriert, und auch das Drumsolo von Felix hatte wie immer großen Unterhaltungswert, auch wenn sich der Gute bei der nächsten Tour zur Abwechslung mal einen anderen Soundtrack zur Untermalung vorknöpften sollte. Mit ‘Avantasia’ und ‘King Of Fools’ ging eine Show zu Ende, die keinen Deut schlechter war als die früherer Headliner - im Gegenteil, denn während so manche „Legende“ sich auf diesem Status ausruht, brennt bei EDGUY noch das Feuer, das man braucht, um auch kritische Leute mitzureißen! Martin Römpp
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ROCK OF AGES-Festival
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