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BYH!!! Rückblick 2009

Die Einleitung


Vom 25. bis zum 27. Juni war es wieder soweit: Balingen wurde erneut zum der Nabel der (Metal-)Welt - zumindest für uns und eine nicht gerade kleine Menge von Euch! Zum vierzehnten Mal konnten wir die Bang Your Head!!!-Flagge hissen und gemeinsam mit mehreren Tausend Gleichgesinnten eine Party feiern, die es in sich hatte. Vielen Dank, daß Ihr - wie schon so oft - mitgeholfen habt, das Festival zu etwas Besonderem zu machen! Wetterpolitisch gab es im Verlaufe der zwei Open Air-Tage zwar die eine oder andere Ausfallerscheinung, aber daran ließ sich leider auch dieses Jahr - trotz so manch guter Verbindung nach oben - nichts ändern.

An anderen Sachen schon, wie Ihr feststellen konntet. Wir haben jedenfalls unser Vorhaben, die Bedingungen vor Ort - die (nicht allzu) stillen Örtchen, die Campingareale sowie die äußerst hilfreiche Messehalle seien hier exemplarisch genannt - für alle Beteiligten vor, auf und hinter der Bühne noch besser und entspannter zu gestalten, hoffentlich hinbekommen (an unsere Ohren sind bislang fast durchweg positive Resonanzen gedrungen) und auch Euch mit der musikalischen Mischung zu einem erinnerungswürdigen Wochenende verholfen. Viele Musiker haben sich jedenfalls pudelwohl gefühlt, die relaxte Atmosphäre genossen und ihre vorübergehende Freiheit hundertprozentig ausgelebt.

Als bestes Beispiel sei hier DRIVER-Gitarrist Roy Z. genannt, der sich als wahres Partytier outete und von uns den hochdotierten Preis "Biervernichtungsmaschine des BYH!!! 2009" verliehen bekam. Während der HALFORD-, BRUCE DICKINSON- und JUDAS PRIEST-Produzent bereits am Abend vor dem Auftritt seiner Formation übers Gelände schlenderte und den einen oder anderen Gerstensaft prüfte, lief er am Samstag nach der früh absolvierten DRIVER-Show erst richtig zur Hochform auf. Gemeinsam mit seinen Bandkollegen sowie seinen Kumpels von WARRIOR gab der Mann weit entfernt von der kalifornischen Heimat alles, verteilte - eigentlich für den Catering-Bereich vorgesehenes - Bier an wartende Fans, goß sich selbst gehörig einen hinter die Binde, tanzte auf den Tischen im Backstage-Bereich und stand nichtsdestotrotz am späten Abend noch bei der JUDAS PRIEST-Coverband JUST PRIEST im benachbarten Loft-Club in der Menge, um das Festival gebührend ausklingen zu lassen - Hut ab, mein Lieber, das nennt man wahrhaftig Durchhaltevermögen!

Da erwies sich SODOM-Trommler Bobby Schottkowski als weniger standfest, legte sich der Fellgerber doch am Freitagabend geschmeidig auf die Nase und verletzte sich dabei etwas den Inhalt seines Beinkleides. Daß dieser kleine, ähem, Absturz am - für den Ruhrpottler - zu soften JOURNEY-Sound lag, wird dabei nur gemutmaßt - etwas Genaues weiß man nicht! Anyway, am nächsten Morgen sah man den Sympathikus zwar humpelnd hinter der Bühne umherlaufen, aber da sein "Chef", SODOM-Frontgauzer Tom Angelripper, ohnehin noch einen Kasten Bier lang über zukünftige Aktivitäten nachdachte, blieb Bobby genug "Regenerationszeit", die er im Schlepptau der beiden TANKARD-Nasen Gerre und Andy gut zu nutzen wußte: Bewaffnet mit Wurst und "kühlem Blonden" unterhielt das Trio Infernale so manchen Fan auf dem Gelände...

Gut unterhalten wurden auch die Jungspunde von AGE OF EVIL. Hatten die Nachwuchs-Metaller in den letzten beiden Jahren ihren Platz im Billing des Bang Your Head!!!-Festivals inne, so waren sie diesmal nur zum Feiern angereist. Und darüber, wie man das in der alten Welt am besten bewerkstelligt, wurde die Band von den Schotten ALESTORM aufgeklärt. Nachdem diese nämlich ihre Jack Daniels-Pumpgun nicht mit auf die Bühne nehmen durften, leerten sie gemeinsam mit den AGE OF EVIL-Jungs im Anschluß an ihren Auftritt so manch ein Gläschen Hochprozentigen, was den einen oder anderen Ausfallschritt bei den Nachkömmlingen zur Folge hatte - macht euch nichts draus, Lehrjahre sind bekanntlich keine Herrenjahre!

Eine andere junge Band, die zukünftig in die Fußstapfen der ganz Großen treten möchte, hat sich indes in Balingen einen neuen prominenten Fürsprecher erspielt: Die Schwaben-Pfeile von KISSIN' DYNAMITE punkteten augenscheinlich beim ehemaligen MANOWAR-Gitarristen Ross The Boss dermaßen mit ihrem Auftreten, daß der legendäre Saitenquäler die Burschen bei seiner Signing-Session in der Messehalle in den höchsten Tönen durchs Mikro lobte, worauf sich KISSIN' DYNAMITE wiederum mit heftigen Kuschel-Attacken beim "alten Mann" bedankten. Die Rock Of Ages-Teilnehmer CHUCKS, die sich beim BYH schon mal vorab einführen wollten, probierten ihr Glück derweil andernorts und überreichten ihr Demo Y&T-Mainman Dave Meniketti, der sich sichtlich über das Präsent freute - tja, das Bang Your Head!!! bietet nicht nur gute Unterhaltung für die Fans, sondern auch jungen Muckern die Möglichkeit, neue - hoffentlich im weiteren Karriereverlauf hilfreiche - Verbindungen zu knüpfen!

Selbige, also Verbindungen, wollte übrigens auch unser Signing-Session-Organisator Georg Lögler aufbauen - allerdings nicht bei den 20 von ihm erneut unterhaltsam moderierten Autogrammstunden, sondern etwas abseits am Backstage-Container der guten Lita Ford. Dort präsentierte Georg seinen Favoriten vergangener Tage, nämlich Jim Gilette (Ex-NITRO und seit einigen Jahren Ehemann und Manager von Frau Ford) sowie PJ Farley (Ex-TRIXTER und heute Bassist in der Band von Frau Ford), diverse Devotionalien zum Unterschreiben, ließ dabei jedoch den direkt daneben stehenden Ron 'Bumblefoot' Thal (GUNS N' ROSES-Gitarrist, der ebenfalls bei Frau Ford in Lohn und Brot steht) links liegen, was dieser mit einem etwas unbeholfenen, ja leicht verdatterten Blick quittierte. Das konnte der Axl Rose-Sidekick anscheinend nicht glauben: Da spielt er selbst in einer solch gewichtigen Band wie GUNS N' ROSES, und die Leute kommen mit Krempel alter Poser-Kapellen, um sich das Zeug signieren zu lassen - da verstehe einer die Welt...

Die verstand übrigens auch MAMBO KURT nicht mehr, als er im Partyzelt bereits nach zehn Minuten an einem ungewollten Meeting mit vollen Bierbechern aus dem Zuschauerraum teilnehmen mußte. Kurzerhand räumte das Tasten-Unikum das Feld, überließ dem DJ sowie den Stripperinnen das eigentlich für ihn reservierte Terrain und schützte somit Leib, Leben und Orgel - der Klügere gibt nach und ist notfalls schnell von der Bühne verschwunden! Nach diesem Motto verfuhr übrigens auch ein der Redaktion namentlich bekannter Heavy/Bang Your Head!!!-Mitarbeiter, der um kurz nach fünf morgens im Partyzelt leicht erschrocken feststellen mußte, daß die Zeit tatsächlich rennen kann und er gut eine Stunde später bereits wieder seinen Mann hinter der Bühne stehen sollte... An Schlaf war also nicht mehr zu denken, aber so ist nun einmal das Leben - hart und ungerecht, manchmal zumindest!

All diese kleinen Geschichten vom "Rande des Geschehens" sowie natürlich das Programm an sich hatten es also einmal mehr in sich, so daß die Vorfreude aufs Bang Your Head!!!-Festival 2010 ohne Zweifel schon heute riesengroß ist. Wir hoffen, daß wir bei der 15. Auflage des Events dann wieder auf Euch bauen können! Die ersten bestätigten Bands lassen jedenfalls bereits jetzt auf eine weitere amtliche Sause schließen! Bis dann...

Peter Engelking



Die Warmup-Show am 25. Juni
in der Messehalle Balingen


Das Billing:

KREATOR
JON OLIVA'S PAIN
EVILE
SNAKE RIDE RODEO 


SNAKE RIDE RODEO

Gerade noch auf der Bühne und jetzt hier für Euch..., äh, auf der Bühne... Tja, so sollte es in der Tat unseren beiden Crewmitgliedern Achim und Kalli ergehen: Da rannte der BYH!!!-Stagemanager Achim von der großen Bühne - mit einem kurzen Zwischenstop an einem Waschbecken - rüber in die Messehalle, um zum SNAKE RIDE RODEO-Sänger und -Gitarrist Achim zu mutieren; eine seiner leichtesten Übungen, die sein Kumpan Kalli ebenso behende erledigte und sich flott den Baß umhängte. Wir hatten Euch die Jungs ja schon mal Ende 2006 auf der dreizehnten 'Metal Crusade' vorgestellt, so daß heuer die Einladung erfolgte, als Opener der Warm-up-Show zu fungieren. Doch es war gewiß nicht das Vitamin B, über das die beiden zweifelsfrei verfügen, das ihnen diese Möglichkeit eingebracht hat. Und es lag gewiß auch nicht an der Tatsache, daß sie einen echten Promi mitgebracht hatten, da Ex-RUNNING WILD-Gitarrist Preacher seit Ende Oktober 2007 bei SNAKE RIDE RODEO die Saiten streichelt. Ausschlaggebend war einzig und allein die Tatsache, daß die Jungs ordentlich rocken, was sie bei ihrem Auftritt von der ersten Minute an in der schon recht beachtlich gefüllten Halle unter Beweis stellten. Ihr Metal, der sehr viel BLACK LABEL SOCIETY abbekommen hat, rifftechnisch hier und da gerne mit dem PANTERAkätzchen spielt, fegte durch die neugebaute Halle, deren Statik somit den ersten Belastungstest zu bestehen hatte. Resultat: Die Halle wankte, aber stürzte nicht, das Publikum jubelte - auch wenn der Wunsch einiger Frontrowbewohner nach 'Victim Of States Power' nicht erfüllt wurde, was - ehrlich gesagt - auch nicht wirklich zum Restprogramm gepaßt hätte. Doch es war ansteckend zu sehen, mit welcher immensen Freude der reaktivierte alte Held Preacher seinen Job auf der Bühne versah. Unglaublich, daß er so viele Jahre in der Versenkung verschwunden war; unglaublich auch, daß RUNNING WILD-Chef Rock 'n' Rolf es nicht für nötig gefunden hat, Preacher oder auch seinen damaligen Kollegen Hasche, unser Lieblingstrommelhasi, der heute bekanntlich den Laden in der Rockfabrik Ludwigsburg schmeißt, zu der großen RUNNING WILD-Abschiedsshow in Wacken einzuladen. Oberpeinlich, wenn man noch nicht mal in einem solchem Moment über seinen Schatten springen kann! Doch wir hoffen, daß Preacher uns noch möglichst lange mit SNAKE RIDE RODEO erhalten bleibt, die mit einem Paukenschlag das BYH!!! 2009 eröffnet hatten - woraufhin Achim und Kalli wieder zu ihrer "anderen" Bühne zurückkehren konnten.
Stefan Glas


EVILE
Schon cool, daß die Briten aus Huddersfield die Chance bekommen haben, als Einheizer beim Warm-up auflaufen zu dürfen, noch dazu, wenn danach noch solche Recken wie JON OLIVA'S PAIN und KREATOR aufspielen. Die vor gerade mal fünf Jahren unter dem Namen METAL MILITIA gegründete Jungspund-Bande hat sich diesen Gig aber auch verdient, zählen sie doch mit einer Handvoll anderer Bands zu den treibenden Kräften der New Wave Of Old School Thrash Metal. So war der Empfang des partylaunigen Mobs in der neuen Volksbank-Messe wenig überraschend auch sehr herzlich, und der Vierer um Sänger/Gitarrist Matt Drake spielte sich schnell noch mehr in die Herzen der Fans. Ihr irgendwo zwischen EXODUS, METALLICA und SLAYER angesiedeltes Material der beiden Alben haut freilich live noch deutlich mehr auf die Kacke als ohnehin schon, und so dauerte es auch nicht wirklich lange, bis sich vor der Bühne ein kleiner, aber durchaus recht feiner Moshpit entwickelte. Die Band hatte fortan freilich noch mehr Bock und Spaß, und auch wenn es gut und gern ein paar mehr Fans in der riesigen Halle hätten sein dürfen und EVILE definitiv mehr was für kleine Clubbühnen sind, kann man die Show, die mit dem Titelsong des 2007er Debüts 'Enter The Grave' beendet wurde, nur als vollen Erfolg für die Engländer bezeichnen.
Hage


JON OLIVA'S PAIN
Eigentlich hätte man vermuten können, daß die Mehrheit der Anwesenden ihr Clubshow-Ticket wegen KREATOR gelöst hätten - zumindest die Shirtauswahl, die an diesem Abend spazieren getragen wurde, sprach in dieser Hinsicht Bände. Doch als das Schwergewicht aus Florida samt Band die Bretter der Messehalle betrat, setzte der große Run in Richtung Bühne ein - und das zu Recht, schließlich sollten JON OLIVA'S PAIN heute einen denkwürdigen Gig abliefern. Doch der Reihe nach! Mit dem Old School-Doppelpack 'City Beneath The Surface' und 'Sirens' wurden die SAVATAGE-Fans gleich zünftig bedient, und war der Mountain King wenige Wochen zuvor beim Rock Hard-Festival noch stimmlich schwer angeschlagen, hatte er in Balingen einen sehr guten Tag erwischt! Auch die Songauswahl war schlicht phänomenal. Da kein neues Album am Start war, gab's aus der Neuzeit lediglich zwei Songs zu hören - wobei sich eine Nummer wie 'Through The Eyes Of The King' vor dem alten SAVA-Stoff wahrlich nicht verstecken muß! Doch einmal mehr brillierte die Band bei den unsterblichen Klassikern, die - und dabei bleibe ich - keine SAVATAGE-Inkarnation nach Criss Olivas Tod so nah am Original zelebriert hat, wie es Matt LaPorte, Kevin Rothney und Chris Kinder seit Jahren tun - von Keyboarder John Zahner ganz zu schweigen, der bekanntlich schon zu 'Streets'-Zeiten mit den Olivas auf Tour war. Und auch Zweitgitarren-Neuzugang Tom McDyne machte seine Sache gut, und so knallten 'Of Rage And War', 'Hounds' oder 'Jesus Saves' mächtig aus den Boxen. Doch es waren die ruhigen Töne, die an diesem Abend für Gänsehaut sorgten, denn 'Tonight He Grins Again' und 'Believe' klangen phantastisch. Selbst Zak-Songs wie 'Chance' und 'Edge Of Thorns' brachte der Meister ordentlich rüber, und spätestens nach dem zu frühen Ende mit 'Hall Of The Mountain King' wurde bei vielen der Wunsch laut, JON OLIVA'S PAIN bald auf der großen Festivalbühne zu sehen...
Martin Römpp


KREATOR
Zugegeben, nicht viele Bands hätten an diesem Abend nach dem Metal-Urgestein bestehen können - doch Mille und seine Mannen haben schließlich selbst genug Geschichte geschrieben, und auch in Balingen präsentierten sich KREATOR in gewohnt souveräner Form. Nach dem Chor der Verdammten ging's mit dem aktuellen Nackenbrecher 'Hordes Of Chaos (A Necrologue For The Elite)' los, und schnell war klar, daß die Meute mehr als bereit war für "85 Minuten totalen Terror", wie Herr Petrozza so schön formulierte. Doch auch wenn man über manche inzwischen standardisierte Ansagen des Esseners schmunzeln kann - sobald der Mann in die Saiten haut, hört der Spaß auf - oder beginnt erst richtig! 'Phobia' wurde lauthals mitgegrölt, 'Terrible Certainty' und 'Betrayer' brachten wie vor 20 Jahren den Saal zum Kochen, und im Gegensatz zu vielen Kollegen aus den Gründerzeiten des Thrash ist bei KREATOR auch das aktuelle Material - etwa in Form von 'Enemy Of God' oder 'Destroy What Destroys You' - absolut relevant! Auch optisch hat man einiges auf der Pfanne, die Videoleinwand im Rücken der Band war ein Schmankerl, und neben Mille war es wie üblich Speesy, der den Mob zum Bangen animierte. Der Mix aus Alt und Neu funktionierte bestens, nach dem gefeierten 'Pleasure To Kill' sorgte auch 'Violent Revolution' für Euphorie. Nörgler mögen bemängeln, daß die KREATOR-Setlist nicht viele Überraschungen parat hielt - doch wer würde schon gerne auf 'Extreme Aggression' der 'Coma Of Souls' verzichten? Auch neue Kracher wie 'Warcurse' gehören zur Show, schließlich zählt die Band völlig zu recht noch nicht zum Nostalgie-Zirkus. Obligatorisch auch 'Flag Of Hate' - sonst hätten die Fans ja die clevererweise vor Ort verkauften Fahnen gar nicht schwingen können! Zum Schluß rumpelte dann noch der unverzichtbare 'Tormentor' durch die Messehalle und sorgte bei der Thrash-Meute für zufriedene Gesichter. Auf KREATOR war eben wie immer Verlaß!
Martin Römpp



FESTIVAL-RÜCKBLICK
BYH!!! 2009


 

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