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BYH!!! Rückblick 2009...

BYH!!!-Freitag, 26. Juni
 


 Der erste Festivaltag mit:

JOURNEY
U.D.O.
LITA FORD
SODOM
SACRED REICH
PRIMORDIAL
VOIVOD
ROSS THE BOSS
KISSIN' DYNAMITE
ALESTORM
HATSTIK

 





HATSTIK
Nach dem durchweg gelungenen Auftakt am Vorabend sollte nun der Startschuß auf der großen Bühne fallen. Aufgrund verschiedener terminlicher Notwendigkeiten waren die ersten Bands der beiden Tage größentechnisch deutlich unterschiedlich ausgefallen: Während die beiden Kulttruppen CLOVEN HOOF und LÄÄZ ROCKIT am Samstag als Starter die Bühne betreten mußten, wären sie am ersten Tag wohl eher als dritter oder vierter Act im Billing einsortiert worden, doch diverse Zeitpläne machten diesbezüglich eben einen Strich durch die Rechnung. Die Openerposition fest gebucht hatten indes HATSTIK aus Reutlingen, die sich diesen Platz durch ihren Sieg beim Balinger Bandcontest errungen hatten. Doch die Truppe sollte nur wenig Kapital aus dieser Möglichkeit schlagen: Bei einem traditionell ausgerichteten Festival hat es eine Modern Metal-Band ohnehin nicht sonderlich leicht, doch wenn man dann gleich mal mit fetten Screamo-Attacken in den Gig einsteigt (und selbige auch während des Sets immer wieder fleißig zu Rate zieht), hat man - oh Wunder... - den Großteil der potentiellen Interessenten vergrätzt. So sollte die Zuschauermenge vor der Bühne mehr als überschaubar bleiben - selbst im strömenden Regen am nächsten Morgen war mehr los als beim schönsten Sonnenschein am heutigen Tag... - und nennenswerte Stimmung erst gar nicht aufkommen. HATSTIK sind sicherlich eine talentierte Band, die auch live für ein Trio einen amtlichen Sound zu schneidern versteht, so daß neuzeitlich ausgerichtete Metaller sicherlich ihren Spaß an ihnen finden werden, doch beim Bang Your Head!!! waren sie so fehl am Platz wie ein Blockflötenorchester bei einem Bikerfestival. Keine Frage: Es war höchste Zeit für einen Humpen köstliches Ale!
Stefan Glas


ALESTORM
Innerhalb kürzester Zeit und mit nur zwei Alben haben sich die schottischen Piraten von ALESTORM nicht nur für ihr Label Napalm Records zu einem absoluten Verkaufsschlager gemausert, sondern sind auch zu Fanlieblingen und totalen Stimmungs-Hoch-Erzeugern geworden. Bereits vor Beginn des Gigs hatten sich nicht wenige Fans in stilechtem Piraten-Outfit vor der Bühne in Stellung gebracht, um Metal-Schunkel-Hits wie 'Wenches And Mead', 'Captain Morgans Revenge', 'That Famous Ol' Spiced', 'Keelhauled' etc. gehörig abzufeiern. Obwohl mir die Band auf CD eigentlich ganz gut gefällt, muß ich zugeben, daß das live Dargebotene doch etwas "rauh" rüberkam. Aber wer ausschließlich von Met-Exzessen und ähnlichem Piraten-tauglichen Freizeitvergnügen singt, der legt wohl auch nicht so viel Wert auf tightes Zusammenspiel. Mit ein bißchen mehr Proben-Einsatz der Besatzung und vielleicht auch eher in einer schummrigen Hafenkneipe hätte mir das Gebotene vielleicht noch besser gefallen als auf der großen sonnendurchfluteten Bang Your Head!!!-Bühne, auf der Sänger/Keyboarder Christopher Bowes und seine Crew doch etwas verloren wirkten. Auch die Whiskey-Wasserpistole durfte aufgrund des Glasflaschen-Verbots auf der Hauptbühne nicht eingesetzt werden. Wer es allerdings noch zur Autogrammstunde von ALESTORM geschafft hatte, der konnte sich doch noch von deren Einsatzfähigkeit überzeugen.
Martin Brandt


KISSIN' DYNAMITE

Eine ganze Menge Staub konnten die Lokalmatadoren KISSIN' DYNAMITE mit ihrem Debütalbum 'Steel Of Swabia' schon aufwirbeln - doch wie souverän die Youngsters auch auf der Bühne abgerockt haben, hat doch manchen BYH!!!-Besucher überrascht. Shouter Johannes Braun schaffte es spielend, die schon beachtliche Bangergemeinde vor der Bühne in Fahrt zu bringen, und auch der Rest der Truppe konnte begeistern - vor allem, wenn das aus Ande Braun und Jim Müller bestehende Gitarrenduo für Shredder-Alarm sorgte. Schon vom Opener 'My Religion' an herrschte gute Stimmung vor und auf der Bühne, die Message von 'I Hate Hip Hop' konnten die meisten der Anwesenden locker befürworten, und beim Titeltrack des Erstlings wurden gar einige schwäbische Landesfahnen in die Luft gereckt. Mit 'Iron Fist' gaben die Buben auch einen neuen Track vom künftigen Album zum Besten, und vor dem Biker-Song 'Ready Steady Thunder' sorgte Johannes für schmunzelnde Gesichter, weil er sich mangels Führerschein auf dem Motorrad über die Bühne schieben lassen mußte. Danach gab's noch das musikalische Bekenntnis in Form von 'Addicted To Metal', und nach dem nicht von Slash & Co. stammenden 'Welcome To The Jungle' konnten die Schwaben ihren Auftritt als vollen Erfolg verbuchen - denn von der tanzenden Poserdame im rosa Mini bis hin zum bangenden Death Metaller samt vollgepatchter Kutte haben KISSIN' DYNAMITE genreübergreifend viel Spaß bereitet, und das bestimmt nicht nur wegen der wenigen Lenze, die sie auf dem Buckel haben...
Martin Römpp


ROSS THE BOSS
Nach den Jungspunden kam einer, der schon seit über dreißig Jahren im Geschäft ist und wirklich schon alles gesehen hat - die Rede ist vom ehemaligen und einzig wahren MANOWAR-Gitarristen Ross The Boss. Die Band hatte vor kurzem eine erfolgreiche Griechenland-Tournee durchgezogen und war deswegen auch ziemlich eingespielt. So stieg man selbstbewußt mit zwei Songs ('Blood Of Knives' und 'Death And Glory') des ROSS THE BOSS-Soloalbums 'New Metal Leader' ein, bevor man mit 'Death Tone' den ersten MANOWAR-Klassiker intonierte. Gleich hatte man bei strahlendem Sonnenschein die Fans auf seiner Seite, und die Band legte mit 'Gloves Of Metal' das nächste MANOWAR-Schwergewicht nach. Nicht nur beim Publikum stieg der Stimmungs- und Hitzepegel, auch auf der Bühne herrschten extreme Temperaturen, und Sänger Patrick ronn der Schweiß aus allen Poren. Weiter ging es mit dem 'New Metal Leader'-Triple Pack 'We Will Kill', 'May The Gods Be With You' und dem hervorragenden 'Immortal Son', welches Ross' Sohn gewidmet wurde. Gegen Ende war es dann natürlich Zeit für große Klassiker, und so zog man mit 'Thor' und vor allem 'Hail And Kill', bei dem wirklich alle Leute vor der Bühne mitmachten, die Fans auf seine Seite. Bis auf eine leichten Durchhänger im Mittelteil, bei dem man vielleicht bei einem solchen Festival einen MANOWAR-Kracher hätte einbauen sollen, war das eine hervorragende Visitenkarte, die Ross und seine Band hier abgeliefert haben, und vor allem bei den alten MANOWAR-Tracks konnte man wirklich sehen, wie die Songs mit dem Originalgitarristen wirklich klingen können.
Oliver Weinsheimer


VOIVOD
Nach ewigen Zeiten betraten die PINK FLOYD des Cyber Thrashs, also VOIVOD, mal wieder unseren Boden und hämmerten als erstes die Bandyhmne 'Voivod' in das neugierige Volk. Bei den Kanadiern mischt sich seit jeher thrashige Härte mit dissonanten und psychedelischen Rockklängen - so auch bei diesem Gig. Klassiker wie 'Tornado', die 'Dimension Hatröss'-Tracks 'Brainscan' und natürlich das großartige treibende 'Tribal Convictions' bestimmten das leicht schräge Bild, welches zwischen "straight auf die zwölf" und mittelschwer "bewußtseinerweiternd" wechselte. Auch optisch spiegelten sich die zwei Seiten VOIVODs wieder. Einerseits im seligen Grinsen und den "bärigen" Tanzeinlagen von Vocalist Denis alias Snake, und andererseits im wild über die Bühne tobenden und kurzfristig zurückgekehrten Basser Blacky, der uhrwerkartig zusammen mit Drummer Michael 'Away' einen fetten Soundteppich legte (wo war eigentlich Ex-METALLICA- und Album-Bassist Jason Newsted?) (Zu Hause - Jagger). Daß Songs neueren Datums weitgehend fehlten, wird kaum jemand bemängelt haben, denn die Post-Piggy Alben 'Katorz' und 'Infini' sind nur wenigen ein echter Begriff. Dann schon eher Tracks wie 'Ravenous Medicine' und 'Overreaction' vom 'Killing Technology'-Album. Fanherz, was willst du also mehr? Bei einem solchen Act sind gemischte Reaktionen natürlich vorprogrammiert, trotzdem gelang es VOIVOD mit ihrer druckvollen und extrem sympathischen Show, bei vielen mehr als nur ein Grinsen hervorzulocken. Thumbs up für über zwanzig Jahre Psycho-Thrash!
Sven Bernhardt


PRIMORDIAL
Die Iren PRIMORDIAL gehören zu den zehn am meisten unterschätzten Bands auf dem Planeten - anders ist es nicht zu erklären, daß die Jungs um Frontmann Alan 'Nemtheanga' Averill nicht spätestens mit der letzten Götterscheibe 'To The Nameless Dead' zu den Megasellern im Hard 'n' Heavy-Bereich aufgestiegen sind. Aber die Welt ist ungerecht, das wissen wir ja! Wäre sie das nicht, hätten PRIMORDIAL auch einen höheren Platz im Billing des diesjährigen Bang Your Head!!!-Festivals bekommen, der sowohl der Band als auch den Fans "das miese Sonnenlicht" erspart hätte - denn in der "viel zu hellen, leider nicht abschaltbaren Beleuchtung" lag das einzige Manko der Show! Ansonsten stimmte einmal mehr alles. Die für einen 50 Minuten langen Gig hervorragend zusammengestellte Setlist, die verständlicherweise von Songs neueren Datums wie etwa 'As Rome Burns' oder 'Empire Falls' dominiert wurde, die jedoch auch Kultiges aus der Vergangenheit ('Gods To The Godless') nicht außen vor ließ, das perfekte Zusammenspiel der involvierten Musiker sowie natürlich als Krönung das magisch-mystische Auftreten von Nemtheanga, der erneut deutlich machte, daß man auch mit einem geschminkten Gesicht respektive Kopf nicht aus der Wäsche schauen muß wie ein Pandabär, der gerade in den Scheißhaufen seines Nachkömmlings gelatscht ist - hier stimmte die Kombination aus Anspruch, Atmosphäre und Unterhaltungswert einfach. Kurzum: Der PRIMORDIAL-Auftritt war nicht nur für meine Wenigkeit das erste wirkliche Highlight des Festivals! Geniale Band...
Peter Engelking


SACRED REICH
Alter, SACRED REICH unzählige Jahre nicht zu sehen und dann innerhalb von weniger Wochen gleich zwei Mal... Das ist schon eine echt geile Fügung. Beim Rock Hard Festival vor Monatsfrist waren die Kult-Thrasher so etwas wie DAS Highlight des Wochenendes gewesen. Die Band hatte tight wie der gern zitierte Mückenpopo gespielt, das Wetter mit Sonne beglückt und die Fans aus dem Häuschen, was sich in unzähligen Circlepits und Crowdsurfern im Sekundentakt niedergeschlagen hatte. Was sollte also beim BYH!!!-Gig schiefgehen? Nix, eben! Doch leider kommt es manchmal ganz anders, als man denkt. Nein, Phil Rind und seine im zweiten Frühling befindliche Mannschaft hatten sicherlich keinen schlechten Tag und spielten erneut mit einer Präzision und einem Druck, als wollten sie allen Jungspunden und Newcomern mal zeigen, wie's gemacht werden muß. Warum aber ließ sich das Publikum partout nicht aus seiner Lethargie reißen? Gut, es war schon ein wenig zu heiß und der geneigte Fan daher etwas träger als normal. Aber hey: Da spielten die verflucht bockstarken Arizona-Recken von SACRED REICH, und da kann man doch fast gar nicht anders als ausrasten, wenn Alltime-Klassiker der Marke 'The American Way', 'Independent', 'Crimes Against Humanity', das BLACK SABBATH-Cover 'War Pigs' oder 'Who's To Blame?' angestimmt werden! Oder? Nicht so leider an diesem Tag. Klaro, der Applaus war fett, aber auch wenn sich die älteren Herren on stage kaum für Bewegungssportarten empfohlen haben, sollte dies doch keineswegs die lahme Performance der Fans rechtfertigen. Zum musikalisch absolut krönenden Abschluß feuerten die Jungs noch die beiden Meilensteine 'Death Squad' und 'Surf Nicaragua' auf den Balinger Messeplatz ab und beendeten so einen Gig, der trotz aller Klasse leider nicht mit dem Gourmet-Auftritt in Gelsenkirchen mithalten konnte... Wofür - einmal mehr bemerkt - die Band rein gar nix konnte!
Hage


SODOM
An SODOM lag es, die Fahne des teutonischen Thrash an diesem Open Air-Wochenende hochzuhalten. Nach den hervorragenden SACRED REICH war es nicht einfach, die Stimmung zu halten, aber mit cooler Setlist und typischen Ruhrpott-Charme schafften es Tom und seine Mitstreiter locker, mit der amerikanischen Konkurrenz gleichzuziehen. Standesgemäß ging es mit 'Napalm In The Morning' (immer noch einer der coolsten Songtitel ever) los, und an zweiter Stelle wurde den Fans gleich ein 'Outbreak Of Evil' um die Ohren geklatscht. Nachdem Michael Jackson ja an diesem Freitagmorgen verstorben war, konnte sich Tom eine kleine Widmung an den King Of Pop in seiner urtypischen Art nicht verkneifen, und nun kann sich Jackson über ein tight gezocktes 'Axis Of Evil' freuen. Cool! Nach dem Bandklassiker 'The Saw Is The Law' wurde mit 'Blasphemer' mal richtig tief in die Mottenkiste gegriffen, was für strahlende Gesichter bei den Altthrashern sorgte. Auch das folgende 'Agent Orange' ist nicht gerade ein oft gesehener Track auf der SODOM-Setlist und wurde begeistert aufgenommen. Nach 'Wanted Dead' und 'M-16' ging es auch schon in die Schlußphase, welche von 'Ausgebombt' eingeläutet wurde. Überraschenderweise folgte der verkannte Klassiker 'Remember The Fallen', ehe mit dem unverwüstbaren 'Bombenhagel' dem geilen Set ein Ende bereitet wurde. SODOM sind auch 2009 so gut wie eh und je und eine Bank für eine geile Liveshow. Dazu braucht es keine Tänzerinnen oder Effekte, SODOM punkten nur durch ihre Energie und Songs. So wie es eben sein soll.
Oliver Weinsheimer

LITA FORD
Nachdem SACRED REICH und SODOM für deftige Thrash-Klänge gesorgt hatten, war um kurz nach Sechs der Act an der Reihe, dem nicht wenige (männliche) Fans voller Erwartung entgegengefiebert hatten: LITA FORD! Die Frau, die in den achtziger Jahren so manchen von uns hatte dahinschmelzen lassen, hat sich in den letzten Jahren rar gemacht, seit 1995 keine Studioscheibe mehr veröffentlicht, sondern sich voll und ganz ins Familienleben gestürzt. Der Jubel war demnach groß, als die Blondine und ihre Band (zu der auch GUNS N' ROSES-Gitarrist Bumblefoot gehörte) mit 'Larger Than Life' in die ihnen zur Verfügung stehenden siebzig Minuten einstiegen - allerdings sollte dieser Jubel nicht allzu lange anhalten! In Sachen Bühnenpräsenz zog die gute Lita zwar fraglos alle Register, war stets in Bewegung, räkelte sich verführerisch und machte jedem klar, daß man noch nicht zum alten Eisen gehören muß, wenn man 50 Lenze auf dem Buckel hat, aber stimmlich hat die Mutter zweier Jungs (die im Verlauf des Gigs auch ihren kleinen Auftritt hatten) ohne Zweifel schon bessere Tage erlebt. 'Can't Catch Me', 'Back To The Cave' oder 'Kiss Me Deadly' sind an sich tolle Angelegenheiten, die in Balingen allerdings an der allenfalls mittelprächtigen Darbietung der Hauptakteurin krankten. 'Close My Eyes Forever' ging nicht nur wegen Ozzys Abwesenheit gar nicht! Richtig schlimm wurde es jedoch, als das soundmäßig völlig verpatzte 'Mr. Crowley'-Keyboardthema die beiden neuen Tracks 'Piece' und 'Betrayal' einläutete, bei denen Lita von ihrem Ehegatten Jim Gillette (Ex-NITRO) unterstützt wurde. Die Songs sind Trendanbiederungen vor dem Herren, die mit dem früheren Schaffen der Ford nichts mehr zu tun haben und regelrecht Angst vor der anstehenden Langrille 'Wicked Wonderland' machen! Schade, aber die hochgesteckten Erwartungen konnte Miss Ford beim BYH!!! leider nicht erfüllen!
Peter Engelking


U.D.O.

Wer rult das BYH!!! am Freitag? Richtig... Na ja, kein Wunder, bei diesem Klassiker-Fundus. Wenn man sich erlauben kann bzw. muß, Monstertracks wie 'Fast As A Shark' & Co. NICHT zu spielen und trotzdem 70 Minuten lang auf einer einzigen Euphoriewelle surft, dann sagt das einiges über die Güte des Backkatalogs von Solingen's Finest aus. Er startete mit 'Metal Heart' und ließ darauf gleich 'Midnight Highway' folgen. Aufgehört hat er mit 'Balls To The What?' und 'I'm A Rebel'. Und zwischendurch gab's vieeel Metal... Was soll man groß sagen? Udo krümmt den kleinen Finger, und Balingen rockt. Die XXL-Version von 'Princess Of The Dawn' ist vielleicht das beste Beispiel, wie sehr man aus einem stampfenden Rhythmus, ein paar legendären Riffs und einem genial aufgebauten Refrain einen endlosen Ohrgasmus of Steel inszenieren kann. Man hätte den Chorus endlos weiter mitsingen mögen! Neben den unabdingbaren ACCEPT-Klassikern verzeichneten die U.D.O.-Tracks nicht den leisesten Stimmungsabfall. 'Holy', 'Man And Machine', 'Animal House' & Co. fanden genauso viel Beifall wie die allseits verehrten Mittachtziger-Meilensteine ACCEPTschen Schaffens. Aufgrund der hervorragenden Mannschaft, die den German Bulldog begleitet, hatte man beim Blick auf die Bühne stets den Eindruck, es mit einer eingespielten, einander freundschaftlich verbundenen Einheit zu tun zu haben - also in etwa das genaue Gegenteil zu den Reunion-Gigs von vor ein paar Jahren. Stefan, Fitty & Freunde setzten trotz der vor Charisma triefenden, erdrückenden Bühnenpräsenz des Meisters durchaus eigene Akzente und wurden auch dementsprechend vom euphorisierten Frontmob gefeiert. Außer, daß es irgendwann nicht mehr weiterging, gab es keine Kritikpunkte an diesem wie immer großartigen Auftritt. U.D.O. gehören mit wenigen ausgesuchten Truppen wie etwa SAXON, MAIDEN oder AC/DC zu der raren Spezies an Bands, die man IMMER und auch immer wieder gucken kann! Amen. Ach ja: ACCEPT-Reunion OHNE Udo? Ihr macht euch lächerlich!
Arno Hofmann


JOURNEY
Das Engagement von JOURNEY hatte im Vorfeld für Diskussionen gesorgt, die sich wie vor drei Jahren bei der Verpflichtung von FOREIGNER vor allem darum drehten, ob die Amerikaner für ein Metal-Festival wie das BYH!!! nicht zu softrockig unterwegs sind - erst recht, da die Band als Headliner agieren sollte. Daß die Verpflichtung von JOURNEY für diese Position aus kommerzieller Sicht riskant war, steht außer Frage, denn den enormen Status wie in den USA hatte der Fünfer in Europa nie. Auf der anderen Seite gehören die AOR-Veteranen zu den wichtigsten Melodic-Rock-Truppen aller Zeiten und haben ein ganzes Arsenal an unsterblichen Hits geschrieben. Mit 'Revelation' hat die Kapelle zudem ein bärenstarkes aktuelles Album im Gepäck, auf dem Neu-Sänger Arnel Pineda beweist, daß er sich nicht hinter Ex-Frontmann und Sangeslegende Steve Perry verstecken muß. In 'Separate Ways (Worlds Apart)' packten JOURNEY gleich einen ihrer größten Klassiker als Opener aus, was dafür sorgte, daß das Publikum von Beginn an gut mitging. 'Never Walk Away', der erste von drei 'Revelation'-Songs des Gigs, die allesamt wohlwollend aufgenommen wurden, folgte. Die beste Stimmung vor der Bühne herrschte aber selbstredend bei Krachern wie 'Stone In Love' oder 'Lights'. Wie schon FOREIGNER konzentrierten sich JOURNEY darauf, ihre rockigste Seite zu zeigen, um dem BYH!!!-Publikum entgegenzukommen, was beispielsweise die unnötig brachiale Version des Uralt-Hits 'Wheel In The Sky' demonstrierte. Die großen Taschentuch-Balladen blieben bis auf das ergreifende 'Faithfully' außen vor. Eigentlich ein Frevel, wenn man Jahrhundert-Heuler wie 'Open Arms', 'Still They Ride' oder 'Send Her My Love' im Schmalzköcher stecken hat. Überraschend auch, daß vom erfolgreichsten Album 'Escape' gerade mal zwei Songs gespielt wurden. Dafür wurde mit 'One More' ein Stück vom oft unterschätzten '96er Comebackwerk 'Trial By Fire' dargeboten, wobei hier die Über-Hymne 'Message Of Love' die bessere Wahl gewesen wäre. Mit 'Don't Stop Believin'' und 'Any Way You Want It' trieben Saitenhexer Neal Schon und seine Mitstreiter (optisch kultverdächtig: Bassist Ross Valory mit seinem Achtziger-Jahre-Gedächtnis-Pornobalken) die Fans zum Abschluß noch mal in kollektive Glücksseligkeit.
Alexander Kolbe



BYH!!!-Samstag, 27. Juni


Der zweite Festivaltag mit:

BLIND GUARDIAN
W.A.S.P.
Y&T
EXODUS
HARDCORE SUPERSTAR
WARRIOR
PINK CREAM 69
DRIVER
POWERWOLF
LÄÄZ ROCKIT
CLOVEN HOOF

 

CLOVEN HOOF
Wenn es eine goldene Arschkarte gibt, dann hatten dieses Mal CLOVEN HOOF die Ehre. Samstagmorgen, 10.00 Uhr, Balingen. Die Frisur sitzt... Es regnete nicht etwa, nein, es kübelte. Etwa 300 - allerdings keine Griechen... - Unentwegte trotzten jedoch dem Zorn von oben und wurden mit genialem, britischem Metal belohnt. Gegenüber dem KIT-Auftritt hatten man das Augenmerk eher auf die epischen Stücke gelegt und mit 'Road Of Eagles', 'Return Of The Passover' oder dem Alltime-Classic 'Gates Of Gehennah' einige längere Songs im Programm, welche von Frontmann Russ North gewohnt weltklassig veredelt wurden. Hits wie 'Laying Down The Law' oder 'Highlander' mußte man hingegen leider der kurzen Spielzeit opfern, dafür setzte 'Nova Battlestar' ein weiteres Glanzlicht. Bandgründer und Baßmonster Lee Payne hielt sich entgegen seiner sonstigen Art eher im Hintergrund und überließ seinem Fronter die Ehre, sich am Bühnenrand mit den Fans duschen zu lassen. Wie kurzweilig 40 Minuten doch sein können! Und die widrigen Umstände verliehen dem Ganzen ein sehr spezielles Flair, welches den "300" sicher noch lange im Gedächtnis bleibt. Trotz des wettermäßigen Desasters freute sich die Band, daß zwar nur wenige sich vor die Bühne wagten, von diesen Hardcore-Getreuen jedoch auch KEIN EINZIGER vor dem letzten Ton den Pool verließ. Man kommt nicht umhin, angesichts der musikalischen Leistung, welche quasi unter Ausschluß der Öffentlichkeit stattfand, über eine Wiederholung unter würdigen Bedingungen nachzudenken...
Arno Hofmann


LÄÄZ ROCKIT
Nicht sonderlich glücklich zeigte sich die kalifornische Kult Thrash-Walze LÄÄZ ROCKIT über ihre Auftrittszeit, was verständlich ist. Zum einen viel zu früh, und dann pißte es zur Auftrittszeit auch noch heftigst. Dennoch machten die Jungs um den sonnengebräunten Shouter Michael Coons gute Miene zum bösen Spiel. Wobei Coons kurz vorm Auftritt zu Gitarrist Phil Kettner, mit Blick auf die wenigen hundert Fans vor der Bühne und die mächtig schwarz/grauen Regenwolken meinte, "Wir werden untergehen!". Das Gegenteil war der Fall. Zu den ersten Tönen der Band kamen die wahren Metalfans aus ihrer Deckung, und vor der Bühne wurde es doch noch voller. Die Band legte sich ins Zeug und ließ live nichts anbrennen. Die Bay Area-Truppe ist bekannt für ihr energisches Auftreten und kompromißloses Livespiel. Und die große BYH!!!-Bühne bot reichlich Platz für die bewegungsfreudige Truppe - allen voran für Bassist Willy Lange, der sein Instrument schon fast mißhandelte, während er wie eine Furie über die Bühne hetzte. Frohnatur Michael Coons hatte trotz der widrigen Umstände ein Dauergrinsen im Gesicht und zudem sichtlich Spaß. Regen schien ihm auch nichts auszumachen, nutzte er doch die vordere, nicht überdachte Bühnenerweiterung konstant aus und war nach dem Gig komplett durchnäßt. Die Setlist war amtlich, wobei für mich 'Last Breath' der Höhepunkt des Auftritts war. Interessant war auch der Umstand, daß Songs vom neuen Album 'Left For Dead' problemlos zwischen den alten Klassikern bestehen konnten, ohne daß der Gig an Qualität verlor . Klasse Show zu einem weniger klasse Zeitpunkt.
Jürgen Tschamler


POWERWOLF
Tja, man munkelt zwar, daß die POWERWOLF-Herrschaften um Front-Beißer Attila Dorn gute Verbindungen "in andere Sphären" besäßen, aber den alten Petrus haben sie dabei anscheinend noch nicht um den Finger wickeln können. Schade, denn so mußten die Fans der Blutdurstigen im Regen ausharren, um die nach 2006 zweite Balingen-Show ihrer Faves zu genießen. Schlechte Voraussetzungen, aus denen die Band jedoch (wie immer) das Bestmögliche machte. Nach einem kurzen Intro vom Band ging es mit 'We Take It From The Living' geschmeidig los, ehe die folgenden acht Stücke einer unterhaltsamen Reise durch die drei bisherigen Alben der Wölfe gleichkamen. 'Raise Your Fist, Evangelist', 'Saturday Satan', 'Kiss Of The Cobra King' - die großen Hymnen kamen zum Einsatz und belegten einmal mehr, welchen Unterhaltungsfaktor das Quintett mittlerweile innehat. Das Ganze wurde dabei erneut von einer theatralisch-durchgepfiffenen Bühnenshow begleitet, bei der auch Rock Hard-Kollege Bruder Cle als Kirchenmann zu Hochform auflaufen durfte, und von einem Sound gekrönt, der vom Allerfeinsten war. Keine Ahnung, mit was die Vögel den Soundmann bestochen hatten, aber so klar und doch drückend wie in diesen frühen, verregneten Stunden drangen die Töne nicht mehr bei allen folgenden Acts durch die Boxen! Anyway, die Dreiviertelstunde, die POWERWOLF zur Verfügung stand, verging trotz unangenehmer Befeuchtung von oben wie im Flug, was eindeutig für die Klasse der Gruppe spricht!
Peter Engelking


DRIVER
Noch vor einigen Jahren hätte ich es für unmöglich erachtet, die US-Legende DRIVER, die 1990 ihre erste Demo-EP veröffentlichte und sich gleich danach auflöste, jemals live erleben zu dürfen, aber nach der überraschenden Reunion von 2007 und dem ein Jahr später erschienenen Krachercomeback-Album 'Sons Of Thunder' wurde beim Bang Your Head!!! mal wieder (fast) Unmögliches zur Realität, und Über-Sänger Rob Rock (IMPELLITTERI etc.), Gitarrist Roy Z. und ihre Mannen betraten die Bühne, um dem leichten Balinger Regen mit dem Titeltrack ihres Debüts zu trotzen. Und auch, wenn es sich die "Donnersöhne" wünschten, selbst beim folgenden 'Fly Away' kamen die dunklen Wolken der Aufforderung nicht nach. Aber egal, für diesen Gig nahmen die Fans auch ein bißchen Feuchtigkeit von außen in Kauf. Mit einem - wie immer - formidablen Rob Rock (der als Sänger und Frontmann leider nie den ihm zustehenden Ruhm erreicht hat) und Hits wie 'Heart's On Fire', 'Winds Of March', 'Nations On Fire' und 'Judgement Day' verflog die Zeit wie im Fluge. Auf das ABBA-Cover 'Eagle' hätte ich persönlich gut verzichten können, da ich kein großer Fan der schwedischen Melodic-Popper bin, aber in der DRIVER-Version hat mir selbst dieser Track gefallen. Zum Abschluß stimmte die Band mit 'I'm A Warrior' dann ihre absolute Hymne an (die Rob Rock auch mit seinen anderen Betätigungsfeldern immer mal wieder gerne gespielt hat) und hinterließ ausschließlich glückliche (wenn auch etwas nasse) Fans.
Martin Brandt


WARRIOR
24 Jahre nach der Veröffentlichung ihres Debüt-Klassikers 'Fighting For The Earth' haben es WARRIOR nach Balingen geschafft und machten dort den eher durchwachsenen Wacken-Auftritt von 1998 vergessen! Im schicken Military-meets-Mad-Max-Outfit stürmten die alten Haudegen Joe Floyd und Parramore McCarty samt Neu-Rekrutierungen die Bühne und setzten alles auf Angriff - und wer Granaten wie 'Fight Or Fall', 'Mind Over Matter' oder 'Day Of The Evil (Beware)' im Arsenal hat, der kann ja nur gewinnen! Stimmlich beeindruckend auf der Höhe, wirkte Frontmann McCarty allerdings leicht tapsig und abwesend - ein Manko, das von Gitarrist AC Alexander und Basser Rob Farr jedoch spielend wettgemacht wurde, die in Sachen Stageacting deutlich mehr Akzente setzen konnten als die beiden Veteranen. 'Defenders Of Creation' killte auch in der Liveversion, und 'Tonight We Ride' sowie 'Cold Fire' bereiteten das Feld für den Höhepunkt des Gigs. Beim Smasher 'Fighting For The Earth' sprang nämlich Roy Z als dritter Klampfer auf die Bühne, um mit seinen früheren Kollegen zu rocken, und stahl mit seinem wilden Gepose inklusive Gitarrendemolierung der Truppe fast die Show. Wenn jetzt auch noch DRIVER-Frontmann Rob Rock, der auf dem dritten WARRIOR-Album 'The Code Of Life' zu hören war, ein Gastspiel gegeben hätte, wäre die Vollbedienung perfekt gewesen. Doch auch so geht dieser WARRIOR-Auftritt äußerst positiv in die Annalen des Festivals ein, und nach dieser Darbietung kann man sich berechtigte Hoffnungen auf eine starke neue Scheibe der Amis machen...
Martin Römpp


PINK CREAM 69

Eigentlich sollten an dieser Stelle die US-Rocker TESLA die BYH!!!-Bretter zum Erbeben bringen, aber aufgrund ihres eng gesteckten Zeitplanes (am Abend sollten Jeff Keith & Co. noch beim italienischen Gods Of Metal Festival zum Tanz aufspielen) mußte das Quintett aus Sacramento seinen Gig leider kurzfristig canceln. Das Motto 'Cumin' Atcha Live' setzten als Ersatz stattdessen die Süddeutschen PINK CREAM 69 um. "Schlecht für die TESLA-Fans, gut für uns", bemerkte Frontmann David Readman treffend, nachdem er mit seinen Mitmusikern Alfred Koffler (g), Dennis Ward (b), Uwe Reitenauer (g) und Kosta Zafiriou (d) die Bühne erklommen hatte. Und man muß fair sein: Natürlich dürften viele Besucher die ein oder andere Träne ob der TESLA-Absage verdrückt haben, aber PINK CREAM 69 entpuppten sich erwartungsgemäß als brauchbare Ersatzlösung. Genug Sommerfestival-taugliches Material haben die Jungs ja auch in der Hinterhand. 45 Minuten lang boten die Pinkies einen gelungenen Querschnitt aus älteren Hits wie 'Do You Like It Like That' und 'Talk To The Moon' (beide von 'One Size Fits All') oder dem Debütkracher 'Welcome The Night' sowie nicht minder überzeugenden Nummern neueren Datums wie 'Lost In Illusions', 'No Way Out' sowie 'Seas Of Madness'. Frontmann David Readman bewies dabei einmal mehr, daß er trotz sichtbarer Gewichtszunahme in den letzten Jahren über eine der besten Hardrockröhren Deutschlands verfügt. Guter Auftritt!
Alexander Kolbe

HARDCORE SUPERSTAR
Letztes Jahr waren die Schweden HARDCORE SUPERSTAR vom Pech verfolgt und mußten ihren fest eingeplanten Gig beim Bang Your Head!!! kurzfristig wegen Problemen mit einem Anschlußflug in Frankreich ansagen, doch diesmal gingen die Herrschaften um Frontlurch Jocke Berg in die Vollen! Konnte die Band bereits mit ihren letzten drei Alben die Anhängerschaft kontinuierlich vergrößern, so dürfte ihr die Show beim diesjährigen Festival in Balingen noch zusätzliche Sympathisanten eingebracht haben. Von der ersten Sekunde an herrschte immense Bewegungsfreude auf der Bühne, die ruckzuck in eine ausgelassene Partystimmung vor der selbigen mündete und einen in selige Zeiten zurückversetzte, als Künstler wie MÖTLEY CRÜE, GUNS N' ROSES oder Alice Cooper noch gut im Saft standen und für so manch livehaftiges Jahrhunderterlebnis sorgten. Die Skandinavier, bei denen sich der neue Gitarrist Vic Zino übrigens bereits prima eingelebt hat, posten jedenfalls wie die Großen, ließen einen Gassenhauer ('We Don't Celebrate Sundays', 'Need No Company', 'Bag On The Head', 'Dreamin' In A Casket', 'Kick On The Upperclass') nach dem anderen vom Stapel und gehörten eindeutig zu den Gewinnern des zweiten Festivaltages. Verschnaufpausen gab es bei dem Auftritte wenige, aber so soll es bei Bands diesen Kalibers ja auch sein: Immer volle Pulle voraus ohne Rücksicht auf Verluste! Klasse Darbietung, die hoffentlich bald in den hiesigen Clubs ihre Fortsetzung finden wird!
Peter Engelking


EXODUS
Mit EXODUS betrat danach die härteste Band des Tages die Bühnenbretter. Und als ob sie diesem Ruf gerecht werden wollten, gingen die Thrasher aus der Bay Area mit ihrem Jahrhunderthit 'Bonded By Blood' sofort in die Vollen. Beats wie Fausthiebe und Riffsalven so mächtig wie Donnerschläge prasselten auf die freudig erregte Menge nieder. Das nachfolgende 'Iconoclasm' kühlte die Massen mangels Eingängigkeit erstmal runter, ehe der durchaus beachtliche Moshpit alter Schule mit 'A Lession In Violence' und 'Children Of A Worthless God' wieder angeheizt wurde. Danach kam man kaum zum Luftholen und mußte sich um den wilden Mob in der Front ernsthaft Sorgen machen, denn 'Piranha', 'Blacklist', 'War Is My Shepherd', 'Toxic Waltz' und 'Strike Of The Beast' sind allesamt Thrashklassiker, die ihren Tribut fordern. So tight und brachial die Band aber auch ist, weshalb man einen Brüllkoloß wie Rob Dukes nach wie vor mit durchschleppt, ist mir ein Rätsel. Sein eindimensionales Gebrüll trägt zwar zur Härtegradsteigerung bei, ist aber gänzlich unvariabel, und EXODUS hatten es früher nicht nötig, sich ausschließlich über Aggression zu definieren. Ganz zu schweigen von Ansagen wie "Fuck the Middle East" und einem unreflektierten Mülltext wie 'Children Of A Worthless God'. Jedem das seine, und hierzulande darf man auch solche Meinungen äußern. Meine Wenigkeit wird EXODUS jedoch mit keinem Euro mehr unterstützen, so lange die Dumpfbacke ihre Parolen auf hiesigen Bühnen verbreiten darf. Andreas Reissnauer Y&T Man kann zu der Tatsache, daß Dave Meniketti und seine Y&T-Mitstreiter seit Jahr und Tag nicht mehr mit neuem Material aus den Puschen kommen, stehen wie man will, Fakt ist jedenfalls, daß die Band live nach wie vor eine absolute Hardrock-Sahneschnitte ist! Diesen Tatbestand hat sie in den letzten Jahren diverse Male (unter anderem auch beim BYH!!! 2003 und 2006) bewiesen und blieb den Beleg dafür auch dieses Jahr in Balingen nicht schuldig. Mit 'Open Fire'/'Lipstick & Leather' gab es auch direkt zum Einstieg eine altbekannte Dublette zu hören, die den Best Of-Reigen der kalifornischen Combo großartig einläutete. Wie gewohnt gab es zu den Y&T-Evergreens keine besonderen Show-Einlagen: Die in Ehre ergrauten Herren sind zwar auf der Bühne noch recht agil, legen aber zweifelsfrei mehr Wert auf den musikalischen als auf den visuellen Part ihrer Arbeit. Wie andere altgediente Bands vor ihnen - man erinnere sich nur an FOREIGNER oder NAZARETH - zündeten auch Y&T ein Feuerwerk mit ihren größten Songs, und die Fans dankten es der Formation, indem sie Tracks wie 'Dirty Girl', 'Mean Streak' oder die beiden (Semi-)Balladen 'Rescue Me' beziehungsweise 'I Believe In You' frenetisch bejubelten. Besonders hoch anzurechnen war dabei die Leistung von Schlagzeuger Mike Vanderhule, der aufgrund eines Handgelenkbruchs nur mit einer Hand tätig war und den Rest seiner Arbeit mit den Füßen verrichteten mußte - Hut ab! Nach einem Dutzend Songs war schließlich Schicht im Schacht und die Meute fraglos bestens für Blackie Lawless und seine W.A.S.P.-Schergen aufgewärmt...
Peter Engelking


W.A.S.P.
Blacky Lawless sieht zwar nicht mehr aus wie früher, klingt aber genauso, und das ist es, worauf es ankommt. W.A.S.P. sind und bleiben eine der professionellsten und überzeugendsten Metal-Bands ever. Kurzum der Meister plus Staffage - denn nichts anderes sind Gitarrist Doug Blair, Mike Duda am Baß sowie Mike Dupke, die zugegebenermaßen einen wirklich guten Job machten und offensichtliche Spielfreude verbreiten - haben haufenweise Hammertracks im Angebot. Zwar ohne die üblichen Showelemente, aber mit gnadenlosem Sound startete das BYH!!!-Set mit 'On Your Knees' und 'Inside The Electric Circus', um blitzartig flächendeckende Begeisterung auszulösen. Die Stimmung blieb ständig auf höchstem Niveau, denn weitere Klassiker wie 'L.O.V.E. Machine' oder 'Wild Child' sind schlicht zeitlose Metal Classics, die die Menge zum Toben bringen. Aber auch der neueste Track, die Halbballade 'Heaven's Blessed' vom 'Dominator'-Album, war kein Ausfall, wie leider so oft bei altgedienten Bands. Als dann die obligatorische Kettensäge das unwiderstehliche 'Chainsaw Charlie (Murders In The New Morgue)' einleitete, gab es kaum noch ein Halten im Publikum, und Blacky selbst wurde langsam locker und gesprächiger, bevor der 'Crimson'-Namensgeber 'The Idol' kurz für eine Verschnaufpause bei den Bangern sorgte. Nichtsdestotrotz wurde inbrünstig gefeiert und mitgesungen. Nichts aber schlägt das, was noch kommen sollte: Der Song, der W.A.S.P. vor einem Vierteljahrhundert in den Metalhimmel katapultierte: 'I Wanna Be Somebody'! In dessen Verlauf wurde das Publikum in zwei wetteifernde Hälften eingeteilt, die abwechselnd den Refrain mitgrölten. Na ja, meine Hälfte hat klar verloren. Geil war es trotzdem immer wieder. 'Blind In Texas' sorgte noch einmal für beste Partylaune, bevor eine große Metal-Show zu Ende ging. Hier hatte für viele der eigentliche Headliner des diesjährigen Bang Your Head!!! abgeräumt!
Sven Bernhardt


BLIND GUARDIAN
Überraschung in der Abendstunde! Nicht wenige Fans vor der Bühne waren verblüfft, als die Krefelder Metal-Institution BLIND GUARDIAN die Bretter, die die Welt bedeuten, enterte: Frontmann Hansi Kürsch hatte im Vorfeld zum Bang Your Head!!!-Festival allen Anschein nach mit seinem Versicherungsvertreter gepokert und von dem guten Mann die Frisur gewonnen. Anyway, die Matte hat dran glauben müssen, die Stimmbänder glücklicherweise nicht, und so konnte die rund anderthalbstündige Exkursion durch das Schaffen der Band mit 'Time Stands Still (At The Iron Hill)' standesgemäß losgehen. Das (Stamm-)Quartett, das erneut von Oli Holzwarth (b) und Michael Schüren (k) unterstützt wurde, agierte gewohnt souverän, bot im direkten Anschluß an den besagten Show-Opener mit 'Another Holy War', 'Nightfall' sowie 'Traveler In Time' drei legendäre Songs - und hatte doch etwas mit der Stimmung zu kämpfen. Mag sein, daß das Publikum dank der nicht zu erwartenden Stärke des W.A.S.P.-Auftritts schon etwas geschwächt war, aber ein bißchen mehr Action vor der Bühne hätten BLIND GUARDIAN ohne Frage verdient gehabt. Wie dem auch sei: Die Band ist natürlich mittlerweile routiniert genug, um auch mit einer solch "abgeschlafften Festival-Meute" zurechtzukommen, und so sorgten Hansis durchaus Selbstbewußtsein ausstrahlende Ansagen sowie Klassiker der Gewichtsklasse 'The Script For My Requiem', 'Valhalla' oder 'Goodbye My Friend' für zufriedene Gesichter bei all denjenigen, die sich durch zwei hartmusikalische Tage mit wechselhaftem Wetter gesungen, getanzt und getrunken hatten. Als besonderes Schmankerl präsentierte die Truppe vom Niederrhein in Form von 'Sacred' übrigens auch einen neuen Track, über den sich nach einmaligem Genuß - wie bei neuerem BLIND GUARDIAN-Material üblich - natürlich noch kein endgültiges Fazit fällen läßt, der jedoch zweifelsfrei die Vorfreude auf den nächsten Longplayer der Gruppe angeheizt hat. Daß es im Verlauf des sich an den neuen Song anschließenden 'Time What Is Time' wieder verstärkt anfing zu regnen, nahm zwar manch einer zum Anlaß, das Gelände früher als geplant zu verlassen, doch die, die bis zum bittern Ende ausharrten, wurden noch mit einigen feinen Tunes wie 'Imaginations From The Other Side', 'The Bard's Song' oder 'Mirror Mirror' sowie dem obligatorischen BYH!!!-Feuerwerk für ihr Durchhaltevermögen belohnt! Ein gelungener Festival-Ausklang...
Peter Engelking



FESTIVAL-RÜCKBLICK
BYH!!! 2009



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